Springe zum Inhalt

Hessischer Friedenspreis wird an Şebnem Korur Fincancı verliehen

Wiesbaden – Der Hessische Friedenspreis wird am 28. November 2018 an die türkische Ärztin Prof. Dr. Şebnem Korur Fincancı verliehen.

Dies gaben der Präsident des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann, das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Professor Dr. Nicole Deitelhoff, und der Vorsitzende des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, Staatsminister a. D. Karl Starzacher, heute in Wiesbaden bekannt.

Die Kuratorinnen und Kuratoren überzeugte Şebnem Korur Fincancı mit ihrem Einsatz für die Aufarbeitung von Folter und Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Mit der Verleihung des Hessischen Friedenspreises wird sie für ihr großes Engagement für den Frieden, die Wahrung der Menschenrechte und ihren Beitrag zu Wiedergutmachung und Konfliktbewältigung ausgezeichnet.

Die Laudatio wird Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, emerit. Bischof und früherer Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), halten.

Şebnem Korur Fincancı wurde 1959 in Istanbul geboren. Nach dem Studium der Medizin, u.a. an der Universität Istanbul, arbeitete sie als Gerichtsmedizinerin und ist derzeit Professorin für Forensik an der Universität Istanbul. Sie ist Vorsitzende der Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV), eine international führende Expertin zur Folterdokumentation, ehemaliges Mitglied im Exekutivausschuss des International Rehabilitation Council for Torture Victims (IRCT) und eine der Hauptautorinnen des „Istanbul Protokolls“, dem internationalen Standardwerk zur Untersuchung und Dokumentation von Folterspuren. Fincancı setzt sich seit vielen Jahren unter schwierigsten politischen Bedingungen für die Dokumentation von Folter und die Rehabilitation von Folteropfern ein und ist eine der führenden Friedens- und Menschenrechtsaktivistinnen in der Türkei. Sie wurde in ihrer Funktion als Präsidentin der Menschenrechtsstiftung in ihrem Heimatland zeitweise wegen des Vorwurfs der Propaganda für eine terroristische Organisation verhaftet.

Şebnem Korur Fincancı widmete sich mit großem Engagement der Dokumentation und Aufklärung von Folter und Menschenrechtsverletzungen. Mit ihren Arbeiten zeigt sie die hohe Bedeutung evidenzbasierter medizinischer Forschung für die Verwirklichung von Frieden, Wiedergutmachung und konstruktiver Konfliktbearbeitung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht insbesondere die Frage, wie sich physische und psychische Folter erkennen und dokumentieren lässt. Dies ist nicht nur für eine angemessene medizinische und therapeutische Versorgung der Opfer von größter Wichtigkeit, sondern auch Voraussetzung für die juristische Verfolgung und politische Aufarbeitung der Taten. Erst der systematische Nachweis von Folterspuren schafft die Voraussetzung für die Wahrung von Frieden und die Hoffnung auf Versöhnung. Wegweisend hierfür ist Şebnem Korur Fincancıs Arbeit am „Istanbul-Protokoll“, das internationale Standards zur Untersuchung und Dokumentation von Folter geschaffen hat. © Hessischer Landtag