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Heimische Wirtschaft zum Jahresanfang stabil

IHK-Konjunkturumfrage Jahreswechsel 2019/2020
Heimische Wirtschaft zum Jahresanfang stabil

Die heimische Wirtschaft präsentiert sich zum Jahresbeginn 2020 verhalten. Nach dem konjunkturellen Rückgang zum Herbst letzten Jahres hat sich die Situation für die Unternehmen der Region aber stabilisiert. Das zeigt die aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer Limburg (IHK) zur wirtschaftlichen Lage.

Der Konjunkturklimaindex, der Lage und Erwartungen der befragten Unternehmen zusammenfasst, erreicht zum Jahreswechsel 2019/2020 111 Punkte, nach 121 Punkten vor einem Jahr und 112 Punkten im Herbst 2019. Damit ist er so niedrig wie zuletzt Anfang 2013. Es fehlt an „Schub“ für die Konjunktur. In keiner Branche aber ist der Index in den negativen Bereich unter die 100-Punkte-Linie gerutscht. Auch der Hessenindex zeigt nach dem Rückgang zum letzten Herbst eine stabile Entwicklung und erreicht jetzt 109 Punkte (Vorjahr 119 Punkte).

Ihre momentane Geschäftslage bewerten die allermeisten Unternehmen im IHK-Bezirk Limburg aktuell eher positiv: 42 Prozent geht es gut, 46 Prozent befriedigend, 12 Prozent schlecht. Beim Blick in die Zukunft gibt es bei den heimischen Betrieben mehr pessimistische Stimmen: 13 Prozent rechnen mit einer günstigen, 68 Prozent mit einer etwa gleichbleibenden, 19 Prozent mit einer ungünstigen Entwicklung.

Die Umfrageergebnisse für den IHK-Bezirk Limburg entsprechen der konjunkturellen Lage, in der sich die gesamte deutsche Wirtschaft befindet. Im vergangenen Jahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,6 Prozent, nach 2,5 Prozent in 2017 und 1,5 Prozent in 2018. Diese Entwicklung ergibt sich auch daraus, dass sich die Weltwirtschaft in einer Schwächephase befindet, das außenwirtschaftliche Umfeld sehr unruhig geworden ist und die Exporte zurückgehen. Nur die gute Binnenkonjunktur hat ein Minus verhindert.

Wie wird 2020

Für 2020 wird bundesweit von den verschiedenen Instituten im Durchschnitt ein Wachstum von 0,9 Prozent erwartet, abhängig von der Entwicklung der zurzeit bekannten Risiken. Unsicherheiten für die Unternehmen bestehen unter anderem bei Auslandsrisiken wie dem Brexit, dem Protektionismus der USA, dem schwächeren Wachstum in China oder einer Finanzmarktkrise. Vom Eintritt oder Nichteinritt der Risiken wird in 2020 die Entwicklung der Weltwirtschaft bzw. das Wachstum in Deutschland abhängen.

Aber auch im Inland gibt es Belastungen, die das Wachstum bremsen. So steht in der aktuellen Konjunkturumfrage der Fachkräftemangel weiterhin an erster Stelle der Risiken für die Geschäftsentwicklung, als Risiko genannt von 53 Prozent der heimischen Unternehmen.

Als zuletzt schon gestiegenes und nun zweitgrößtes Risiko beunruhigt die Unternehmen (genannt von 49 Prozent) die weitere Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen. In offenen Antworten nennen sie Aspekte wie Protektionismus, Beschädigung der Automobilindustrie, zunehmende bürokratische Lasten, lähmende Regulierungsdichte, mangelnde staatliche Investitionen, politische Fehlsteuerung bzw. Entscheidungslosigkeit in der Politik, höhere Steuern und Sozialabgaben oder Durchfahrtsbeschränkungen. Besonders häufig wurde von den Unternehmen die Sorge um eine angemessene Klimapolitik genannt. Hier befürchtet man angesichts einer Klimaverunsicherung eine Überregulierung bei den politisch gesetzten Rahmenbedingungen.

Die weitere Entwicklung der Inlandsnachfrage, welche in starkem Maße die Konjunktur in 2019 getragen hat, beunruhigt 43 Prozent der Unternehmen. Stark zugenommen hat bei den heimischen Unternehmen die Sorge um die weitere Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise (von 43 Prozent genannt). Die hohen Energiekosten belasten den Standort Deutschland und die zukünftigen Energiesicherheit ist ein verunsicherndes Thema. Deutlich zugenommen haben auch Sorgen bezüglich der Entwicklung der Arbeitskosten (genannt von 39 Prozent der Unternehmen). Branchenbedingt von weniger Unternehmen werden als Risiken die Auslandsnachfrage (15 Prozent), die Finanzierung (11 Prozent) und der Wechselkurs (2 Prozent) genannt.

Produzierendes Gewerbe

In der Industrie erreicht der Konjunkturklimaindex mit 108 Punkten den gleichen Stand wie im vergangenen Herbst. Ihre gegenwärtige Lage bezeichnen aktuell 38 Prozent der Industrieunternehmen als gut, 49 Prozent als befriedigend und 13 Prozent als schlecht.

Damit zeigt sich für den Industriebereich eine Stabilisierung auf relativ niedrigem Niveau. Bei den Auftragseingängen des verarbeitenden Gewerbes aus dem Inland und Ausland gab es in den letzten vier Monaten per Saldo einen Rückgang: deutlich bei den Aufträgen aus dem Ausland um 17 Prozent, aber auch bei den Inlandsaufträgen um 14 Prozent. Vor allem die Investitionsgüter sind vom Rückgang der Auslandsaufträge betroffen. Für 2020 wird von allen Industriebranchen per Saldo mit einem eher sinkenden Exportvolumen gerechnet.

Mit Blick auf die zukünftige Geschäftslage erwarten 13 Prozent der Unternehmen der Branche insgesamt eine Verbesserung in 2020, jedoch rechnen 21 Prozent mit einer ungünstigeren Entwicklung in diesem Jahr, der Rest (66 Prozent) geht von einer stabilen Entwicklung aus.

Der Konjunkturklimaindex im heimischen Baugewerbe erreicht zum Jahresanfang 2020 einen sehr guten Wert von 131 Punkten, nach 129 Punkten im Herbst 2019. Dem Ausbaugewerbe (Installationen, Fußböden, Fensterbau, Dämmung etc.) und noch mehr dem Bauhauptgewerbe (Industriebau, Tiefbau, Straßenbau etc.) geht es gut bis sehr gut. Die gegenwärtige Lage wird von 71 Prozent aller Bauunternehmen als gut bezeichnet, 29 Prozent sind insgesamt zufrieden, keinem geht es schlecht.

Bezüglich der weiteren Entwicklung in 2020 wird im Baugewerbe insgesamt mit leicht positivem Saldo mit einer günstigen Entwicklung gerechnet. Dabei stößt der Bedarf im privaten und öffentlichen Bereich auf ausgelastete Kapazitäten der Bauunternehmen. Die Reichweite des Auftragsbestandes ist im Bauhauptgewerbe besonders hoch.

Handel

Die Stimmung im heimischen Einzelhandel ist vergleichsweise gut. Der Konjunkturklimaindex erreicht mit 112 Punkten einen für die Branche relativ hohen Wert, wenn auch etwas niedriger als im vergangenen Herbst. 42 Prozent der befragten Einzelhändler bezeichnen ihre gegenwärtige Lage als gut, nur 9 Prozent als schlecht, 49 Prozent sind zufrieden. Die Umsätze sind in den letzten vier Monaten bei 22 Prozent der Händler gefallen, aber auch bei 22 Prozent gestiegen, der Rest hatte etwa gleichbleibende Umsätze.

Die heimischen Einzelhändler sind beim Blick auf die nächsten Monate aufgrund sich eintrübender Konjunkturerwartungen eher verhalten. 9 Prozent erwarten für die kommenden Monate zwar eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 15 Prozent jedoch eine Verschlechterung. Drei Viertel der Einzelhändler (76 Prozent) rechnen mit einer stabilen, gleichbleibenden Entwicklung. Letzteres entspricht der Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung. Danach trotzt die Konsumlaune dem Gegenwind gesunkener Einkommenserwartung der Konsumenten, denn die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank sei weiterhin Rückenwind für die Anschaffungsneigung.

Nur etwas besser als im Einzelhandel ist das Konjunkturbild im Großhandel. Analog zur Industrie gab es in 2019 nach sehr guten Werten zu Anfang des Jahres einen deutlichen Rückgang zum Herbst auf einen Klimaindex von 110 Punkten, der sich dann zum Jahreswechsel etwas erholt hat und jetzt bei 117 Punkten liegt. Die gegenwärtige Lage wird von 46 Prozent der Großhändler und Handelsvermittler als gut und von 50 Prozent als befriedigend bezeichnet. Nur 4 Prozent urteilen „schlecht“. Die Umsatzentwicklung der letzten vier Monate verlief per Saldo leicht positiv: 35 Prozent der Großhändler konnten steigende Umsätze verzeichnen, 27 Prozent fallende Umsätze. Bei 38 Prozent der Großhändler waren die Umsätze konstant.

Bezüglich der zukünftigen Geschäftsentwicklung ist man im Großhandel per Saldo leicht pessimistisch. 8 Prozent der Unternehmen erwarten für die kommenden Monate eine günstigere Geschäftsentwicklung, 11 Prozent eine Abschwächung. 81 Prozent der Großhändler rechnen mit einer eher gleichbleibenden Entwicklung.

Dienstleister

Auch die Konjunktur im Dienstleistungsgewerbe ist im vergangenen Jahr insgesamt schwächer geworden. Der Wert des Konjunkturklimaindexes fiel zum Herbst auf 108 Punkte und hat sich zum Jahreswechsel auf aktuell 111 Punkte leicht erholt. Die aktuelle Geschäftslage wird von 41 Prozent der Unternehmen als gut bewertet und von 15 Prozent als schlecht; der Rest (44 Prozent) ist zufrieden.

Im Blick auf die Geschäftserwartungen überwiegt leicht Pessimismus: 20 Prozent der Dienstleister gehen von einer günstigen Entwicklung für die nächsten Monate aus, 22 Prozent rechnen mit einer ungünstigeren. Der Rest erwartet eine gleichbleibende Geschäftsentwicklung.

Zu den Dienstleistern gehören unter anderem die folgenden drei größeren Branchen mit ihrer jeweiligen Konjunkturlage:

Bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern ist der Konjunkturklimaindex seit vergangenem Herbst weiter gefallen und erreicht nur noch befriedigende 110 Punkte. Den Unternehmen aus den Bereichen Information und Kommunikation, Immobilienwirtschaft, Public Relations, Werbung und Marktforschung sowie Unternehmensberatung geht es also nicht mehr ganz so gut wie die Jahre zuvor, die Umsätze sind aber auf hohem Niveau relativ konstant. 41 Prozent der Unternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage als gut, nur 11 Prozent schlecht, 48 Prozent sind zufrieden. Für die kommenden Monate sind die Erwartungen per Saldo leicht pessimistisch: 15 Prozent erwarten eine Verbesserung, 22 eine Verschlechterung, der Rest geht von wenig Veränderung aus.

Im Gastgewerbe hat sich der Konjunkturklimaindex gegenüber dem vergangenen Herbst von schwachen 89 Punkten gut erholt auf jetzt 117 Punkte. 29 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre augenblickliche Geschäftslage als gut, 21 Prozent als schlecht, 50 Prozent sind zufrieden. Die Auslastung ist in den letzten Monaten im Beherbergungsgewerbe per Saldo zurückgegangen, in der Gastronomie ist sie gestiegen. Bezüglich der Zukunftsaussichten ist man für die nächsten Monate im Beherbergungsgewerbe und in der Gastronomie eher optimistisch.

Im Verkehrsbereich hat sich die Konjunktur nach dem Rückgang zum Herbst 2019 auf 96 Punkte im Klimaindex auf jetzt 111 Punkte erholt. 44 Prozent der Unternehmen des Transportgewerbes bezeichnen ihre augenblickliche Geschäftslage als gut, 44 Prozent als zufriedenstellend und 2 Prozent sind unzufrieden. Für die kommenden Monate wird eher mit einer Verbesserung gerechnet

Investitions- und Personalpläne

Aus der Geschäftslage und den erwarteten Rahmenbedingungen leiten sich auch die Investitions- und Personalpläne für 2020 ab.

Bei den Investitionsplanungen sind die Unternehmen Anfang des Jahres 2020 per Saldo leicht expansiv ausgerichtet jedoch zurückhaltender als im vergangenen Jahr: 24 Prozent wollen in 2020 mehr, 22 Prozent weniger, 54 Prozent etwa gleich viel investieren. Deutlich mehr aufwenden wollen per Saldo vor allem folgende Branchen: Die personenbezogenen Dienstleister, der Verkehrsbereich und das Gastgewerbe. Weniger investieren wollen insbesondere Unternehmen aus dem Bereich der Vorleistungsgüterproduzenten.

Dominierendes Motiv für Investitionen ist für 60 Prozent der Unternehmen der Ersatzbedarf, gefolgt von Kapazitätserweiterung (28 Prozent) und Investitionen in Produktinnovation (25 Prozent) und in die Rationalisierung (25 Prozent). Außerdem planen die Unternehmen verstärkt Investitionen aus Umweltschutzgründen (15 Prozent).

Bei den Personalplänen sehen die heimischen Unternehmen für das Jahr 2020 per Saldo keine Aufstockung vor: 15 Prozent wollen Personal aufstocken, 17 Prozent abbauen, 68 Prozent wollen ihren Personalbestand in etwa gleich halten. Personal aufbauen wollen der Großhandel und die personenbezogenen Dienstleister, mit weniger Personal wird in der Industrie gerechnet.

Resümee

Für den IHK-Bezirk Limburg zeigt sich zum Jahresanfang 2020 eine insgesamt verhaltene Konjunktureinschätzung der heimischen Unternehmen. Der IHK-Konjunkturklimaindex zeigt seit dem Frühjahr 2018 eine Abwärtsbewegung, die aber seit dem vergangenen Herbst „Boden gefunden“ hat. Für das anstehende Jahr kann angesichts der Erwartungen der heimischen Unternehmen und auch der allgemeinen Prognosen, bei einerseits schwachem Wachstum auf dem Weltmarkt aber andererseits einem stabilen Binnenmarkt, insgesamt mit einem geringen Wachstum gerechnet werden. Die verschiedenen Risiken auf den Auslandsmärkten sowie hausgemachte Probleme können die Entwicklung der Konjunktur jedoch weiter dämpfen. Dies betrifft vor allem den Umgang mit den strukturellen Herausforderungen wie Digitalisierung, Mobilität der Zukunft und Klimapolitik. Damit Deutschland nicht zurückfällt, müssen die Rahmenbedingungen besser werden, vor allem durch den Ausbau einer modernen Infrastruktur, Investitionen in Bildung und eine geringere Steuerbelastung, so das Resümee des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

* Für die Konjunkturumfrage werden dreimal im Jahr rund 250 Antworten von Mitgliedsunternehmen der IHK Limburg aus den verschiedenen Branchen ausgewertet. Der Konjunkturklimaindex setzt sich zusammen aus der Beurteilung der aktuellen und der zukünftigen Geschäftslage. Bei einem Wert unter 100 kann man von einer negativen Gesamtstimmung sprechen, ab 100 Punkten von einer befriedigenden Beurteilung, ab 120 Punkten von einer guten, ab 130 Punkten von einer sehr guten Beurteilung.
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