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Goldfische an der Lahn

Regierungspräsidium Gießen warnt nach Fund am Uferweg in den Gießener Flutmulden wegen nicht einheimischer Arten vor dem Aussetzen von Tieren und Pflanzen

Gießen. Sie sind hübsch anzusehen und sorgen derzeit doch für Ärger an der Lahn. Auf der Höhe des Männer-Bade-Vereins Gießen ist eine gebietsfremde Art in den Teichen der Flutmulden gefunden worden: der Goldfisch. Der Zierfisch ist gefräßig, kann bis zu 40 Zentimeter groß werden, vermehrt sich schnell und verdrängt andere Fische. Verantwortlich dafür ist in der Regel der Mensch. Deshalb bittet Regierungsvizepräsident Martin Rößler: „Setzen Sie keine Tiere oder Pflanzen in der Natur aus.“

„Was kann ein kleiner Goldfisch schon ausrichten?“, könnte ein Einwand lauten. Eine Menge, wäre die Antwort. Der Fisch konnte vor einem Jahr noch nicht am Uferweg nachgewiesen werden. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass die Tiere in das Gewässer eingesetzt wurden. „Bewusst ausgesetzte oder unbewusst in der Natur verschleppte Arten können heimische Arten verdrängen oder zumindest auch deren Lebensräume negativ verändern“, sagt der Regierungsvizepräsident. Durch dieses invasive Ausbreitungsverhalten von nicht heimischen Tier- und Pflanzenarten könne es zu großen ökologischen Schäden in der heimischen Natur kommen.

Der Goldfisch stammt ursprünglich aus China und gehört der Familie der Karpfenfische an. „Er fühlt sich in jedem Süßgewässer außerhalb des Polarkreises und sogar in Brackwasser wohl“, erläutert Isabell Nass, von der zuständigen RP-Abteilung. Neben Algen und Pflanzenteilen frisst er auch Würmer, Boden- und Kleintiere sowie Kaulquappen, Larven und kleine Fische. „Werden die Zierfische für die Haltung im Aquarium zu groß oder die Besitzer können sich nicht mehr um die langlebigen Tiere kümmern, scheint das Aussetzen in öffentlichen Gewässern die tierfreundlichste Alternative“, berichtet sie weiter.

Allerdings tut derjenige der Natur keinen Gefallen damit. „Das ausgeprägte Fressverhalten des Goldfisches kann zu einer Veränderung der Artzusammensetzung führen.“ Vor allem für Amphibien könne ein Zusammenleben mit ihm sehr gefährlich sein. „Laich und Larven können von den gefräßigen Fischen stark dezimiert werden“, sagt sie. Besonders ernst sei diese Situation für bereits gefährdete Arten wie etwa dem Kammmolch. Durch dieses unbedachte Handeln kann der beliebte Aquarienfisch in der Natur schnell heimische Arten und damit die vorhandene Artenvielfalt bedrohen. Der Goldfisch ist nicht die erste gebietsfremde Art in den Flutmulden am Gießener Uferweg. Seit rund zwei Jahren bekämpft das Regierungspräsidium Gießen dort bereits den Blaubandbärbling, eine nach europäischem Recht als invasiv geltende Art.

Das Regierungspräsidium Gießen weist daher darauf hin: Das Freisetzen von Tieren und Pflanzen in die Natur ist ohne Berechtigung nach den Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes grundsätzlich verboten. Dieses wird mit der Einleitung eines Bußgeldverfahrens geahndet. Als Alternative bietet sich die Abgabe an informierte Privatpersonen oder darauf ausgelegte Tierheime an.

Weitere Informationen zu dem Thema sind auf der Internetseite des RP Gießen unter www.rp-giessen.de unter dem Suchbegriff „Invasive Arten“ erhältlich oder direkt bei RP-Mitarbeiterin Isabell Nass (E-Mail: isabell.nass@rpgi.hessen.de). © RP-Gießen