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Gemeinsames Engagement für eine mögliche Nachnutzung des Klinikgeländes in Weilmünster

Vitos Weil-Lahn und Marktflecken Weilmünster:
Gemeinsames Engagement für eine mögliche Nachnutzung des Klinikgeländes

Weilmünster, 1. Oktober 2020 / Vitos Weil-Lahn ist in Verhandlungen mit dem Kreiskrankenhaus Weilburg, um seine Kliniken von Weilmünster nach Weilburg zu verlagern. Im Fall einer entsprechenden Vereinbarung über die räumliche Zusammenlegung der beiden Kliniken am Standort des KKH Weilburg, kümmert sich das Unternehmen bereits um alternative Nachnutzungskonzepte. Um der eigenen Verantwortung für den Marktflecken und die Mitarbeiter sowie deren Familien nachzukommen, sollen nachhaltige und zukunftsfähige Konzepte entwickelt werden. Dazu hat der Vitos Weil-Lahn Geschäftsführer Martin Engelhardt gemeinsam mit dem Weilmünsterer Bürgermeister Mario Koschel ein Ingenieur- und Architekturbüro mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt – und zwar aus Vitos-Mitteln. Zusätzlich wurde eine Steuerungsgruppe initiiert, um eine breite Beteiligung verschiedener Interessenvertreter zu garantieren. Die Gruppe bezieht Kommunalpolitiker, die Geschäftsführung von Vitos, Vertreter der Wirtschaftsförderung Limburg-Weilburg-Diez, den Wirtschaftring Weilmünster, Mitglieder des Beirates Vitos Weil-Lahn sowie den Betriebsrat Vitos Weil-Lahn aktiv in den Prozess ein.
Das erste Treffen der Steuerungsgruppe fand an diesem Mittwoch statt. Konzerngeschäftsführer Reinhard Belling betonte zu Beginn der Sitzung, dass selbstverständlich allen Beteiligten daran gelegen ist, ein tragfähiges Konzept für eine mögliche Nachnutzung zu finden. Er plädierte dafür, konstruktiv die verschiedenen Perspektiven und Interessenslagen einzubringen, um so gemeinsam ein bestmögliches Ergebnis für den Marktflecken zu erzielen. Ebenso positionierte sich Bürgermeister Mario Koschel: „Alle Energie muss eingesetzt werden, um für Weilmünster eine positive Lösung zu finden.“
Martin Engelhardt stellte klar, dass im Falle einer positiven Gesamtbewertung beider Verhandlungspartner und einer Zusammenlegung der Standorte von Weilmünster und Weilburg Vitos dem Standort Weilmünster auch zukünftig eng verbunden bleibt.
Vitos Teilhabe schafft im Ortskern eine Wohnstätte und siedelt dort auch eine Tagesstätte sowie die Regionalverwaltung an. Allein in dieses Vorhaben fließt mehr als eine Million Euro. Das bedeutet auch, dass dort 104 Arbeitsplätze vor Ort bleiben. Das gilt ebenso für das Pflegezentrum mit 41 Mitarbeitern. Hier hat sich Vitos klar positioniert: Das Pflegezentrum soll wenn möglich und mit der übrigen Nachnutzung vereinbar am Standort an der Weilstraße verbleiben. Die Einrichtung für Menschen mit schweren Schädel-Hirn-Traumata wird aber in jedem Fall für mindestens sieben Jahre in Weilmünster angesiedelt sein.
Im Anschluss präsentierten das Ingenieurbüro und die Architekten ihre Vorarbeit, als Basis für einen völlig ergebnisoffenen Prozess.
Grundlage ihrer ersten Überlegungen war die Analyse des Areals mit dem Gebäudebestand, eine Betrachtung des Marktfleckens hinsichtlich seiner geografischen und demografischen Voraussetzungen, sowie eine Identifizierung der Trends in der Immobilienwirtschaft.
Dr. Ulrich Wendt vom Büro Bischoff und Partner beschrieb, dass man in Weilmünster - ebenso wie in anderen Gemeinden - zukünftig mit einem Bevölkerungsrückgang zu rechnen habe und dass auch das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigen werde. Gleichwohl gewinne das Umland der Städte an Bedeutung. Pendeldistanzen verlören angesichts des immer mobiler werdenden Arbeitens an Bedeutung. Nach Wendts Einschätzung stärkten die Erfahrungen während des Lockdowns den Wunsch nach mehr Wohnfläche, nach Wohneigentum oder nach Wohnen im Grünen. Das zeige beispielswiese die zunehmende Nachfrage nach Bauplätzen.
Vor diesem Hintergrund betonte der Ingenieur die Potentiale des Vitos Geländes und sah durch die verbesserten Rahmenbedingungen sehr gute Chancen, eine für den Marktflecken zuträgliche Nutzung zu finden.
Auch Holger Zimmer, Architekt des beauftragten Büros A-Z Architekten, bestätige diese Einschätzung: „Je tiefer man sich mit den Nachnutzungsmöglichkeiten beschäftigt, desto optimistischer kann man sein.“ Die Planer berichteten, dass sie bereits erste Kontakte zu Interessenten und Projektentwicklern haben, was zuversichtlich stimme.
Der zukünftige Investor wird über eine Konzeptvergabe ausgesucht. Bei diesem öffentlichen Vergabeverfahren bringt der Bieter neben dem wirtschaftlichen Angebot auch ein Konzept zur Nachnutzung ein. So ist nicht der Kaufpreis das alleinige Kriterium für die Vergabe. Durch dieses Verfahren wird letztlich ein Wettbewerb um die beste Nachnutzung gestartet. Dazu schafft die Steuerungsgruppe den inhaltlichen Rahmen: Dieser muss den Bietern noch genügend Gestaltungsmöglichkeit und Raum für Ideenentwicklung lassen, zugleich aber klare Vorgaben definieren, damit die Belange der Gemeinde berücksichtigt werden. Klare Vorgaben können etwa eine bestimmte Anzahl an Arbeitsplätzen oder bestimmte inhaltliche Eckpfeiler sein – beispielsweise die Art der Nutzung.
Die eingereichten Konzepte werden schließlich anhand der zuvor definierten Kriterien bewertet. So ist sicher gestellt, dass die Interessen aller Beteiligter berücksichtigt werden.
Geschäftsführer Martin Engelhardt betonte: „Wir werden das Konzeptverfahren so steuern, dass wir für Weilmünster das beste Ergebnis bekommen.“ Bürgermeister Mario Koschel zeigte sich nach der Sitzung positiv: „Ich bin guten Mutes, dass wir zu einem tragfähigen Ergebnis kommen werden.“
Das nächste Treffen der Steuerungsgruppe findet Ende des Jahres statt.

Hintergrund zur Machbarkeitsstudie
Auf dem Vitos Gelände in Weilmünster befinden sich auf ca. 10 Hektar Fläche etwa 20 Gebäude mit einer ungefähren Nutzfläche von 40.000 qm. Fällt eine positive Entscheidung zur angestrebten Standortverlagerung, wird nahezu das komplette Klinikgelände mit entsprechendem Gebäudebestand frei. Ein Großteil der Gebäude stammt aus dem Jahr 1897, als die Klinik als Landesheil- und Pflegeanstalt eröffnet wurde. Einige Bauten wurden für den Krankenhausbetrieb ergänzt, zuletzt die Intensivstation in den 90er Jahren. Die Machbarkeitsstudie beschäftigt sich damit, wie eine Weiternutzung der Gebäude und Flächen nach einem möglichen Fortgang der Kliniken aussehen kann.

Hintergrund zur angestrebten Standortverlagerung
Der deutsche Krankenhausbereich ist seit Jahren mit tiefgreifenden Herausforderungen und Veränderungen konfrontiert. Die Gesetzgebung ist sehr stark von einem Druck auf kleinere Krankenhäuser und Fachkliniken geprägt. Dies äußert sich in Mindestzahlen hinsichtlich der Menge an Leistungen sowie des vorzuhaltenden Personals. Qualitätsvorschriften verstärken diesen Druck, der von größeren Kliniken leichter zu erfüllen ist. Vor diesem Hintergrund hat Vitos angesichts des bevorstehenden Investitionsbedarfs in Weilmünster die Frage gestellt, wie diese Investitionen spürbare Verbesserung in der Patientenversorgung bringen. Die Prüfung hat ergeben, dass sowohl hinsichtlich der medizinischen Qualität als auch der Betriebskosten der Standortort Weilburg eine bessere Lösung darstellen kann. Verstärkt wird dieses Ergebnis durch den sogenannten Krankenhausstrukturfond, der finanzielle Mittel für die Schließung von Krankenhäusern bzw. die Aufgabe von Krankenhausstandorten vorsieht. © Vitos Herborn gemeinnützige GmbH