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Fukushima-Jahrestag im Zeichen der olympischen Ringe: Aufenthalt stellt kein Risiko dar

Bundesamt für Strahlenschutz: Strahlenbelastung vor Ort entspricht Langstreckenflug

Neun Jahre nach dem Reaktorunglück von Fukushima rücken angesichts der bevorstehenden Olympischen Sommerspiele in Japan Fragen nach der radiologischen Situation vor Ort in den Blickpunkt. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass internationalen Angaben zufolge die Strahlenbelastung in der Region deutlich gesunken ist. Bei einem einwöchigen Aufenthalt in Fukushima City sind Reisende beispielsweise einer Strahlenbelastung ausgesetzt, die einem Flug von Frankfurt nach Tokio entspricht.

Am 11. März 2011 führte ein Erdbeben mit nachfolgendem Tsunami zum Reaktorunglück von Fukushima. Neun Jahre später finden im Rahmen der Olympischen Sommerspiele vom 24. Juli bis zum 9. August 2020 in Japan einige Baseball- und Softball-Wettkämpfe in Fukushima City statt. Als Auftakt der Olympischen Spiele soll am 26. März der olympische Fackellauf in der Präfektur Fukushima beginnen. Eine zusätzliche Strahlenbelastung für den Menschen ergibt sich inzwischen – wenn überhaupt – aber nur noch durch die auf dem Boden abgelagerten, radioaktiven Kontaminationen.

Die Präsidentin des BfS, Inge Paulini, betont: „Der Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi im Jahr 2011 hatte gravierende Folgen für die Menschen und die Umwelt in der Region. Wer die Gegend aber heute besucht, muss sich keine Sorgen machen. Die Strahlenbelastung ist inzwischen auf ein Niveau gesunken, das den Aufenthalt dort unbedenklich macht – auch für Sportlerinnen und Sportler.“

Die meisten Spielstätten befinden sich im Raum Tokio und damit fernab der bestehenden Sperrzone. Und auch in den freigegebenen Gebieten der Präfektur Fukushima besteht kein Gesundheitsrisiko. Im Mittel liegt die Strahlenbelastung in Fukushima City bei 0,1 bis 0,5 Mikrosievert pro Stunde. Zum Vergleich: Die mittlere Dosisleistung in Deutschland beträgt zirka 0,1 Mikrosievert pro Stunde. Die deutlich gesunkene Strahlenbelastung ist unter anderem auf den radioaktiven Zerfall der abgelagerten Stoffe sowie auf Dekontaminationsmaßnahmen zurückzuführen. Zudem wurde ein Großteil der radioaktiven Kontaminationen inzwischen witterungsbedingt abgewaschen oder ist tiefer in den Boden eingedrungen. Außerhalb der Sperrgebiete gelten Häuser, Gärten, Straßen, Schulen, Kindergärten sowie öffentliche Parks als dekontaminiert.

Auch der Verzehr von in Fukushima erzeugten Nahrungsmitteln trägt heutzutage kaum noch zu zusätzlicher Strahlenbelastung bei. Neueren wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge liegt die Dosis durch kontaminierte Nahrung in der Präfektur Fukushima inzwischen bei weniger als 0,01 Millisievert im Jahr. Zum Vergleich: In Deutschland erhalten wir im Jahresdurchschnitt eine Dosis etwa 0,3 Millisievert durch die Aufnahme von natürlicher Radioaktivität mit der Nahrung.

Paulini ergänzt: „Die Olympischen Spiele bieten dennoch einen Anlass, innezuhalten und sich an die Ereignisse in Fukushima im März 2011 zu erinnern. Auch für Deutschland hatten diese unmittelbare Folgen: Die Bundesregierung beschloss den Ausstieg aus der Kernenergie, und auch die Notfallmaßnahmen zum Schutz vor den Folgen eines möglichen radiologischen Unfalls wurden aktualisiert. Mit dem Aufbau des Radiologischen Lagezentrums des Bundes treffen das Bundesumweltministerium und das BfS derzeit umfangreiche Vorkehrungen, um für radiologische Notfälle aller Art mit radioaktiven Stoffen gewappnet zu sein. Das BfS ist in diesem Netzwerk die zentrale Instanz zur Darstellung und Bewertung der radiologischen Lage.“

An den Abschätzungen der Situation in der Region Fukushima durch die WHO waren auch mehrere Fachleute des BfS beteiligt. Darüber hinaus ist das BfS entscheidend in die Erstellung von Berichten zu den Auswirkungen des Reaktorunfalls in Fukushima für den Wissenschaftlichen Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen atomarer Strahlung (UNSCEAR) eingebunden.

Bundesamt für Strahlenschutz:
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) arbeitet für den Schutz des Menschen und der Umwelt vor Schäden durch Strahlung. Das BfS informiert die Bevölkerung und berät die Bundesregierung in allen Fragen des Strahlenschutzes. Die über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewerten Strahlenrisiken, überwachen die Umwelt-radioaktivität, unterstützen aktiv im radiologischen Notfallschutz und nehmen
hoheitliche Aufgaben wahr, darunter im medizinischen und beruflichen Strahlenschutz. Ultraviolette Strahlung und strahlenrelevante Aspekte der Digitalisierung und Energiewende sind weitere Arbeitsfelder. Als wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde betreibt das BfS Forschung und ist mit nationalen und internationalen Fachleuten vernetzt. Weitere Informationen unter www.bfs.de.

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