Springe zum Inhalt

„Frauen tun der Kirche gut und sie verändern die Kirche“

Bischof Georg Bätzing (58) bei HIT RADIO FFH:

„Frauen tun der Kirche gut und sie verändern die Kirche“
„Mit Papst Franziskus spürte ich sofort eine innere Verbundenheit“
„Ich wollte nie etwas anderes als Priester werden“
„Der Papst ist ein riesiges Geschenk für uns in dieser Zeit“
„Ich schäme mich für den Missbrauch in meiner Kirche“

Bischof Bätzing, der seit dem 18. September 2016 Bischof von Limburg ist, erzählte bei FFH im Interview für die tagesaktuelle Sendung „60-Minuten“ am Donnerstag 11 Juli (18-19 Uhr) und für den Podcast „ Silvia am Sonntag“, dass es sich gut leben lässt in Limburg und er besonders das Lahntal mag: „Das ist ein wunderschöner Ort.“
Schon in der ersten Klasse wusste der heute 58-jährige Bischof, dass er Priester werden will: „ Es gab nie etwas anderes für mich.“ Das Schönste am Priesterdasein sei immer noch die Messe zu feiern.“ Das hat mich als Kind, als junger Mensch bis heute am allermeisten fasziniert.“
Der in der katholischen Kirche als liberal geltende Bischof sagte zum Zölibat, der Ehelosigkeit von Priestern: „Es schadet der Kirche nicht, wenn verheiratete Männer Priester sein können.“
Für sich selbst habe er zwar die Ehelosigkeit gewählt, aber das müsse nicht für alle gelten.
„Kirche muss sich verändern.“ Allerdings brauche dies eine Entscheidung der ganzen Kirche und das gehe nicht immer schnell. „ Deshalb müssen wir sehr solide klären, was wir gemeinsam schaffen können.“
Über die Gespräche mit Missbrauchsopfern sagte der Bischof, sie hätten ihn sehr berührt. Dass Männer der Kirche in dieser Weise ihre Macht missbraucht hätten, im Namen von Gott, beschäme ihn sehr. Aber es habe ihn nicht zweifeln lassen an der Institution Kirche: „ Eher verzweifeln! Gezweifelt, dass die Kirche im Innern einen guten Kern hat, habe ich nie. Es war eher ein heiliger Zorn, der dazu führt, die Aufgaben zu tun, die jetzt wichtig sind, um in Zukunft Missbrauch zu verhindern. Dann hat das auch etwas Reinigendes“.
Über Papst Franziskus sagte der Bischof: „Der Papst ist ein riesiges Geschenk für uns in dieser Zeit. Ich hatte nur eine kurze Begegnung mit ihm, aber ich spürte sofort eine innere Verbundenheit.“
Frauen spielen für den Bischof übrigens in der Kirche die entscheidende Rolle in unserer Zeit: „Wenn Frauen in Leitungspositionen sind, verändern sie Kommunikationen, Strukturen und Perspektiven. Frauen tun uns gut.“ Er lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch die Frauenprotestaktion Maria 2.0, in der Frauen eine Woche in den Kirchenstreik traten.
Der Bischof trinkt Wein am liebsten in Gesellschaft, auch mal alleine ein Glas Bier am Ende eines Arbeitstages und liebt Italien als Urlaubsland. Bald ist er in der Nähe von Sorrent in den Ferien. „ Hier ist vieles was ich mag: Kultur, traumhafte Landschaft, Museen, Amalfiküste und gutes italienisches Essen und Wein.“
Was er manchmal vermisst ist das Singen. Der Bischof liebt Musik, schon früh sang er im Chor. Obwohl das Bistum Limburg über eine Vielzahl hervorragender Chöre verfüge, komme er leider nicht mehr dazu.

„Silvia am Sonntag – der Talk“ als Podcast auf www.FFH.de. © FFH