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Frankfurt: Große Durchsuchungsaktion gegen Betrüger in Sachen Falsche Polizeibeamte/Call-ID Spoofing in vier Bundesländern

Im Rahmen eines aktuellen Ermittlungsverfahrens des Bandenkommissariats der Frankfurter Kriminalpolizei im Deliktsbereich Falsche Amtsträger werden im Laufe des heutigen Tages 14 Durchsuchungsbeschlüsse an insgesamt 16 Objekten in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Berlin vollstreckt.

Hintergrund sind umfangreiche Ermittlungen wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs gegen 18, hiervon 17 in Deutschland aufenthältige, sogenannte "Abholer", "Kuriere", "Logistiker" und "Sicherer" im Phänomenbereich Falsche Polizeibeamte. Die seit März 2020 andauernden Ermittlungen gegen die beschuldigten Personen erhärteten den Verdacht in mindestens 11 Fällen verschiedene Opfer um ihre Vermögenswerte gebracht bzw. dies versucht zu haben. Bei sieben Taten waren die Betrüger erfolgreich - der finanzielle Gesamtschaden betrug über 715.000 Euro, wovon 365.000 Euro in unmittelbarer Tatortnähe durch Ermittler sichergestellt werden konnten. Bei vier Taten konnten die Ermittler rechtzeitig einschreiten und dadurch einen drohenden Vermögensverlust in Höhe von rund 100.000 Euro verhindern. Die zumeist betagten Opfer im Alter von 71 und 88 Jahren erlitten diese Taten nicht selten als traumatisierendes Ereignis, unabhängig vom finanziellen Schadenseintritt.

Bei den hier Beschuldigten handelt es sich um Männer und Frauen im Alter von 23 bis 65 Jahren. Gegen acht dieser Personen beantragte die Staatsanwaltschaft Frankfurt neben den Durchsuchungsbeschlüssen auch Untersuchungshaftbefehle beim Amtsgericht Frankfurt am Main. Im konkreten Verfahren geht es um die Masche der Telefonbetrügereien, bei denen die Opfer auf subtile Weise Angst davor gemacht bekommen hatten, ihnen stünde ein Einbruch bevor und ihre Vermögenswerte in der Wohnung, aber auch jene, die auf der Bank deponiert sind, seien in Gefahr. In meist über Stunden oder gar Tage andauernden Telefonanrufen angeblicher Polizisten unter Einblendung technisch erzeugter Telefonnummern realer Behörden (Call-ID-Spoofing) wurden die Opfer dazu gebracht ihre Wertsachen, Schmuck, Gold oder Bargeld an einen angeblichen Polizisten, den sogenannten Abholer, auszuhändigen oder im Nahbereich der Wohnung zu deponieren. Die Tatbeute wurde anschließend zu großen Teilen weiter veräußert und in die Türkei zu den Hinterleuten überführt. Die Betrüger agierten im gesamten Bundesgebiet. Dahinter steckt ein kriminelles System, in welchem die Täter der verschiedenen "Arbeitsebenen" straff hierarchisch und über Ländergrenzen hinweg organisiert sind. Erst Anfang Dezember 2020 gelang es der Münchener Kriminalpolizei Führungsköpfe eines Callcenters in Izmir (Türkei) und damit die Hinterleute der hier in Deutschland agierenden Täter dingfest zu machen. Die Frankfurter Ermittler stehen bereits seit Längerem im engen Austausch mit der AG Phänomene der Münchener Polizei. Somit konnte schließlich ein Zusammenhang zwischen den hier geführten Beschuldigten, bei denen es sich um die Ebene der Logistiker, Abholer und Kuriere handelt und den Hinterleuten in Izmir hergestellt werden.

Umso bedeutsamer ist es nun für die Frankfurter Polizei, auch den hier aufenthältigen Akteuren dieser Betrügerbande habhaft zu werden. Im Ergebnis konnten bislang 15 Personen angetroffen und vorläufig festgenommen bzw. sieben Haftbefehle vollstreckt werden. Die Durchsuchungen an 16 Wohn- und Aufenthaltsadressen führten zu Sicherstellungen bzw. Beschlagnahmen von Bargeld, etlichen Mobiltelefonen und SIM-Karten, diversen Unterlagen und Datenträgern, aber auch Betäubungsmitteln und Gegenständen, die dem Waffenrecht unterliegen, wie z. B. rund 100 Schuss Munition. Die Ermittlungen dauern weiterhin an.

© Polizeipräsidium Frankfurt am Main