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Ferienkinder im „Kletterfieber“

Nachdem die erste Woche der Ferienbetreuung beim Förderverein der Schule Niederbrechen mit einem tollen Inlinercamp begonnen hatte, gab es auch in der zweiten Woche für die Kinder wieder einiges zu erleben. Die Mitarbeiterinnen des Fördervereins hatten viele Aktivitäten überlegt, um gemeinsam mit den Kindern die Ferientage zu verbringen: es wurde gespielt, beim „Batiken“ konnten alle ihr künstlerisches Talent beweisen und es wurden kleine Schutzengel gebastelt. Auch stand eine Wanderung zum Bauernhof der Familie Schermuly auf dem Programm. Leider öffnete der Himmel kurz vor Beginn des Ausflugs seine Schleusen, doch als der Regen aufhörte war niemand mehr zu halten: alle Rucksäcke wurden in einen Bollerwagen gepackt und los ging es. Nach der Wanderung stärkten sich alle bei einer Frühstückspause und dann führte Henrik Schmidt die Kinder über den Hof und erzählte alles über die Arbeiten, die täglich anfallen. Dann ging´s weiter in den weitläufigen Stall, in dem gerochen, angefasst, beobachtet und gestaunt werden konnte. Sogar „Kuhstreicheln“ war möglich, und Henrik erzählte einiges über das Füttern und Melken der Kühe und die verschiedenen Futterarten. Als besonderes Highlight durften die Kinder Butter selber herstellen: dazu hatte Henrik am Abend zuvor Milch bereitgestellt, von der er gemeinsam mit den Kindern den Rahm abschöpfte und in Schraubgläser füllte. Nun hieß es schütteln, was das Zeug hält. Nach einigen Minuten staunten alle, denn als sich dicke gelbe Klumpen in den Gläsern zeigten, war das bereits die Butter, aus der noch mit kaltem Wasser der Rest der Buttermilch ausgespült wurde. In der Zwischenzeit hatte Claudia Schermuly den Grill angeheizt und gestärkt mit frisch gegrillter Bratwurst im Brötchen und natürlich mit viel Ketchup wurde mittags der Rückweg ins Dorf angetreten.
Am vorletzten Tag der Ferienbetreuung ging es per pedes zum alten Sportplatz in Niederbrechen. Das Gelände eignet sich durch seine Lage ganz besonders zum Spielen, Herumtoben, Klettern und die Welt erkunden. Doch an diesem Tag erwarteten Martin Lunz und Nadine Puschkasch die Gruppe. Die beiden Outdoortrainer wurden durch ihre Weltreise bekannt, zu der sie im Jahr 2003 aufbrachen, die ganze 7 Jahre dauerte und in denen sie mit Fahrrad, Kanu und zu Fuß 48 Länder und 6 Kontinente durchquerten. Die Spezialisten für Outdooraktivitäten hatten für die Kinder ein Klettererlebnis der besonderen Art vorbereitet: als Vorübung waren zwischen die Bäume Slacklines gespannt, bei denen die Kinder erste Versuche unternahmen, durch geschicktes Balancieren und mit Hilfe eines Partners oder der Gruppe, ohne abzusteigen, die dünnen Gurtleinen zu überqueren. Nachdem dies allen gelungen war, ging es weiter in den Wald: dort sah man zwischen den Bäumen und über eine kleine Schlucht eine Slackline gespannt. Gesichert in Haltegurten und an einer Führungsleine, eingehakt mit Karabinerhaken und durch zusätzliche Seile gesichert, galt es nun, die „Schlucht“ zu überqueren. Für die Kinder bedeutete das, die eigene Angst zu überwinden, darauf zu vertrauen, dass sie die Distanz überqueren können, auch wenn sie auf sich alleine gestellt sind. Unter ständiger Beobachtung und unter fachkundiger Anleitung durch Martin und Nadine meisterten alle diese nächste Herausforderung. Und als Steigerung durfte, wer wollte, noch eine „ganz tiefe Schlucht“ überqueren. Diese Überquerung wurde für alle zu einem ganz besonderen Erlebnis: mit einem erst mulmigen Gefühl im Magen ging es los. Das ist ja ganz schön tief! Werde ich es schaffen? Was ist, wenn ich von der Leine falle, komme ich dann wieder hoch, komme ich gut auf der anderen Seite der Schlucht an? Aber alle Zweifel waren vergessen, als das erste Kind drüben angekommen war. Ein Ruck ging durch den Rest, und alle spornten sich gegenseitig an. Mit viel Mut, Balancierfähigkeit, durch Konzentration auf die eigenen Fähigkeiten, großem Selbstvertrauen und die Sicherheit der Gurte und unter ständiger Beobachtung durch die Profis gelang allen die sichere Überquerung der Schlucht. Glückliche, entspannte Gesichter waren der größte Dank an Martin und Nadine. Nach einem gemeinsamen Picknick zum Abschluss kehrte die Gruppe nach Hause zurück, und am letzten Tag erhielt jedes Kind zum Abschied ein Bild in voller Montur auf der Slackline aus dem „Kletterwald“ in einem ganz individuell gestalteten Bilderrahmen. Und zum Ende der Sommerferien werden die Mitarbeiterinnen der Grundschulbetreuung des Fördervereins in der 6. Woche dann noch einmal einige neue „Feriengäste“ in der Ferienbetreuung begrüßen, die ebenfalls ein spannendes Programm erwarten.  © Britta Eufinger