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FDS summt! Erste Honigernte an der Friedrich-Dessauer-Schule Limburg

Lässt man den Haupteingang der Friedrich-Dessauer-Schule (FDS) in Limburg links liegen, wird der Geräuschteppich der summenden Bienen immer lauter. Zwischen dem Werkstattgebäude und dem neuen Technologiezentrum hat Stefan Laux, Schulleiter der beruflichen Schule, Bienen angesiedelt. Am Freitag, dem 11. Juni 2021, war ein ganz besonderer Tag, denn an der FDS wurde der erste Honig geerntet. Pascal Bouffier, Schüler der Berufsfachschule mit dem Schwerpunkt Holztechnik, ist seit vielen Jahren Hobbyimker und damit ein hervorragender Ansprechpartner für Stefan Laux, der das spannende Projekt an seiner Schule ins Leben gerufen hat, das sowohl bei Schülerinnen und Schülern als auch bei Lehrerinnen und Lehrern großen Anklang findet. Wie das Projekt zustande kam, was die beiden an Bienen fasziniert und wie die Honigernte vonstattengeht, lesen Sie in dem folgenden Interview:


Herr Laux, wie kam Ihnen die Idee, dass Sie Bienen an der
Friedrich-Dessauer- Schule ein Zuhause geben wollten?

Stefan Laux: Wir sind ja eine technische Berufsschule und mich interessiert insbesondere der Spagat zwischen der Natur, dem was ganz wichtig und erhaltenswert ist, und der Technik. Für mich ist das kein Widerspruch, dass man sich auf der einen Seite um Natur bemüht, also naturnah lebt und sich zum Beispiel um Bienen kümmert, und auf der anderen Seite technische Innovationen und Erneuerungen vorantreibt. Das macht die Sache so interessant.


Pascal, wie lange imkerst du schon und wie bist du dazu gekommen?

Pascal Bouffier: Ich imkere schon seit drei Jahren. Dazu gekommen bin ich, weil ich sehr gerne und viel Honig esse. Außerdem habe ich mich schon sehr früh für Bienen interessiert.


Mit wie vielen Bienenvölkern hast du begonnen und wie viele besitzt du aktuell?

Pascal Bouffier: Begonnen habe ich mit zwei Bienenvölkern. Inzwischen sind es neun. Morgen habe ich vor, noch ein weiteres zu erstellen. Dann sind es zehn.


Wahnsinn. Das sind dann richtig viele Bienen. Aus wie vielen Bienen besteht denn eigentlich so ein Volk?

Pascal Bouffier: Arbeiterinnen bis zu 50000. Drohnen bis 1000. Also ich versuche das zu verhindern, weil die Drohnen eine Milbe mit ins Volk bringen, die nicht so gut ist. Dann gibt es im Volk natürlich eine Königin.


Herr Laux, wie viele Bienenvölker gibt es an der FDS und um welche Bienen handelt es sich genau?

Stefan Laux: Eins. Aber das ist ein sehr, sehr großes und sehr, sehr fleißiges. Aber wir planen mit einem zweiten. Wir hätten das auch normalerweise schon, wenn denn unser Lieferant die Sachen pünktlich liefern würde, die wir unbedingt brauchen, und wenn das Wetter mitgespielt hätte. Zu der Bienenart kann Pascal eher was sagen.

Pascal Bouffier: Die Westliche Honigbiene. Der lateinische Name ist Apis mellifera Carnica. Die Rasse ist Carnica. Dadurch, dass hier in der Umgebung bestimmt noch andere Leute mit anderen Rassen imkern, können auch Buckfast mit dabei sein. Das ist eine Mischung aus verschiedenen Bienenrassen.


Und Sie haben gesagt, das sei ein sehr friedliches Volk...

Stefan Laux: Ja, genau. Sehr friedlich. Ich bin noch nie gestochen worden und es macht eine große, große Freude, die Bienen beim Arbeiten zu beobachten.


Die Bienenkästen wurden hier an der Schule herstellt. Wer war daran beteiligt und wie lief das genau ab?

Pascal Bouffier: Ich war indirekt beteiligt. Die Bienenkästen wurden bei Herr Kingen im Fachpraxisunterricht gebaut.

Stefan Laux: Pascal hat Herr Kingen davon überzeugt, dass wir das jetzt machen.


Mit den Bienen habt ihr einiges zu tun und verbringt viel Zeit mit
ihnen. Was fasziniert euch so sehr an den Bienen?

Pascal Bouffier: Mich fasziniert, dass die Bienen so viel Honig ins Volk
bringen und dass sie fast den ganzen Tag am Arbeiten sind. Das finde ich
wirklich sehr faszinierend. Wir als Menschen könnten uns das gar nicht
vorstellen, so viel zu arbeiten.

Stefan Laux: Als ich das erste Mal in so ein Bienenvolk reingeschaut
habe, hat mich sehr fasziniert, wie unfassbar viele Bienen das sind und
wie geordnet es in so einem Bienenstock abläuft und dass tatsächlich
jede einzelne Biene nicht nur ihren Platz, sondern auch ihre Aufgabe
hat. Obwohl das ein totales Gewusel ist, läuft es wirklich völlig
geordnet und ordentlich ab. Das finde ich absolut krass.


Pascal, du hast ja schon viele Erfahrungen gesammelt. Was war dein
schönstes Erlebnis mit den Bienen? Was war bisher die größte
Herausforderung?

Pascal Bouffier: Ich hatte bisher zwei Schwarmfänge. Im Jahr 2019 habe
ich zum Beispiel einen Schwarm gefangen. Ich habe die Bienen am Baum
gesehen. Das war ein tolles Naturschauspiel. Zum Einfangen gibt’s
unterschiedliche Methoden. Wir haben den Ast abgeschnitten und sie in
einen Kasten geschüttelt. Wenn man die Königin erwischt hat, folgen die
anderen Bienen in den Kasten. Meine größte Herausforderung war, nach
sechs Stichen noch weiterzumachen.


Welche Honigsorte wird hier heute an der FDS geerntet?

Pascal Bouffier: Wir ernten hier Rapshonig, vermutlich gemischt mit
Blüten. Frühtracht.


Wie funktioniert die Honigernte und wovon hängt ein gutes Honigjahr ab?

Pascal Bouffier: Zuerst muss man die Bienen von den Rähmchen abschütteln
oder abkehren. Sie lassen das Wachs nicht so gerne gehen. Das ist wie,
wenn man jemandem das Essen klauen würde. Danach werden die Zellen mit
Gabeln entdeckelt, damit die Deckel offen sind und man an den Honig
kommt. In der Schleuder werden anschließend immer vier Rähmchen
befestigt, um sie zu schleudern. Durch die Zentrifugalkraft fließt der
Honig heraus. Das Ganze wird abgesiebt und dann bekommt man reinen
Honig. Damit keine Zuckerklumpen entstehen beziehungsweise der Honig
nicht kristallisiert, muss er immer wieder gerührt werden. Viel Honig
erntet man im Frühjahr. Aber momentan sieht es noch nicht so gut aus,
weil es so lange kalt war. Ein gutes Honigjahr hängt also auch vom
Wetter ab.


Warum sind Bienen so wichtig und was kann jeder Einzelne für sie tun?

Pascal Bouffier: Sie bestäuben die Pflanzen, zum Beispiel am Apfelbaum,
am Birnenbaum, am Kirschbaum. Jeder Einzelne kann was für die Bienen
tun, indem er Blumen säht oder einen Garten hat, der einem Urwald
gleicht. Das ist ein Bienenparadies.

Stefan Laux: Ich gebe Pascal uneingeschränkt Recht. Es ist total
wichtig, dass wir diesem ganz kleinen, winzigen Tier, das viele
überhaupt nicht wahrnehmen oder als Ungeziefer und bedrohlich oder
schädlich empfinden, Beachtung schenken. Bienen sind dafür
verantwortlich, dass wir Äpfel, Kirschen und Birnen ernten können, dass
es Blumen gibt. Sie bestäuben die Pflanzen und es ist einfach unfassbar
wichtig, dass wir ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass diese kleinen
Tiere, von denen man annimmt, dass sie so wichtig gar nicht sind, eine
enorm wichtige Aufgabe übernehmen.


Die erste Honigernte an der FDS war mit satten 20 Kilogramm Honig ein
voller Erfolg. In den Sommerferien wird ein zweites Mal geschleudert. © Joanna Hien