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Erforschung „weißer Flecken“ im Indischen Ozean BGR entdeckt in der Tiefsee abseits bekannter Zonen große Vorkommen an Metallerzen

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist jetzt von ihrer bisher erfolgreichsten Erkundungskampagne zur Exploration von polymetallischen Sulfiderzen aus dem deutschen Lizenzgebiet im Indischen Ozean zurückgekehrt. Bei der 66-tägigen Ausfahrt im Rahmen des INDEX-Programms entdeckten die BGR-Experten an Bord des niederländischen Forschungsschiffes M/V PELAGIA in der Tiefsee am Südostindischen und Zentralindischen Rücken gleich drei neue Areale mit großen Metallerzvorkommen.

„Wir haben in Tiefen von 2.200 bis 2.500 Metern am Meeresgrund insgesamt 20 ausgedehnte Sulfiderzhügel identifiziert. In den bis zu 60 Meter hohen Ablagerungen steckt ein Potenzial von über 10 Millionen Tonnen goldreicher Kupfer-, Zink- und Bleierze sowie weitere wichtige wirtschaftsstrategische Metalle wie z.B. Indium, Gallium, Selen oder Tellur. Die Funde gehören zu den größten bisher entdeckten Vorkommen dieser Art am Meeresboden“, erklärt BGR-Fahrtleiter Dr. Ulrich Schwarz-Schampera.

Der Erfolg ist das Ergebnis eines neuen methodischen Ansatzes bei der Exploration von Sulfiderzen im Bereich der ozeanischen Spreizungszonen. Bisher suchten die Wissenschaftler die Vorkommen vorrangig im Nahbereich der Bruchzonen am Meeresboden – Geburtsort neuer ozeanischen Kruste. Bei dieser Ausfahrt steuerten die BGR-Experten gezielt Areale im Abstand von mehr als 10 Kilometern Entfernung von den Bruchzonen an – und wurden dort fündig. Abseits des bisherigen wissenschaftlichen Blickfelds gelang den Wissenschaftlern mit Hilfe eines gecharterten kanadischen Tauchroboters die Entdeckung großflächiger Ansammlungen von Sulfidfeldern. „Unsere Funde liegen deutlich weiter von der ozeanischen Bruchzone entfernt als alle bisher in der Literatur bekannten Sulfidvorkommen entlang der Mittelozeanischen Rücken und Spreizungsbecken. Mit den neu entdeckten Arealen hat sich die Zahl der weißen Flecken im deutschen Lizenzgebiet weiter deutlich reduziert“, so Schwarz-Schampera.

Ausgangspunkt der insgesamt fünften Schiffsexpedition innerhalb des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beauftragten INDEX-Programms war Mauritius. Unterstützt wurden die BGR-Forscher bei ihrer Arbeit einmal mehr von mehreren wissenschaftlichen Institutionen. Dazu gehörten das Deutsche Zentrum für marine Biodiversitätsforschung Wilhelmshaven, das GEOMAR - Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel sowie die Universität Hamburg, die HafenCity Universität Hamburg und die kanadische Laurentian University.

Die neuen Erzfelder wurden mit Hilfe hochspezialisierter Geräte identifiziert. Die Vorkommen von Bunt- und Edelmetallen entstehen an untermeerischen Zonen der ozeanischen Kruste, an denen bis zu 400 Grad heiße metallreiche Lösungen austreten. Die physikalischen und chemischen Signale der Fluide wurden bei den Untersuchungsarbeiten von hochsensiblen Sensoren in der Wassersäule erfasst. Schiffsgeschleppte Messeinrichtungen erstellten daraufhin ein zentimetergenaues Abbild des Meeresbodens und lokalisierten die Austrittsgebiete. An Hand dieser aktiven Lösungsaustritte an den so genannten Schwarzen Rauchern konnten die Wissenschaftler mit Hilfe eines gecharterten kanadischen Tauchroboters die für die eigentliche Exploration bedeutsamen inaktiven Erzvorkommen lokalisieren.

Ein zentraler Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit war auch bei dieser Ausfahrt die Erfassung von Umweltbasisdaten für das Lizenzgebiet. Hierzu gehörten die Dokumentation der biologischen Artenvielfalt wie auch die Ermittlung von Strömungsdaten, Sedimentationsraten und saisonalen Variationen in der Wassersäule.

Weitere Informationen:
https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Min_rohstoffe/Projekte/Meeresforschung-Projekte-laufend/Index2011-2013.html

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe