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Eine Schule für Unternehmer

Erfolgreiches Angebot startet die 2.Staffel am Bildungsstandort Limburg

Limburg ist ein Bildungsstandort mit zahlreichen Schulen, einer Außenstelle der Technischen Hochschule Mittelhessen sowie weiteren Bildungseinrichtungen. Nach erfolgreichem Lauf der ersten Staffel wird die Unternehmerschule Limburg über das Bonner „Institut für Integrative Wirtschaftsförderung e.V.“ mit dem Limburger Claus Prégardien als Schulleiter in ihrem besonderen Format ab April die zweite Staffel antreten.

Der Unterricht wird an zehn Tagen über das Jahr verteilt jeweils samstags angeboten, Lernort ist das Kloster Bethlehem. Nicht nur das Format ist außergewöhnlich, auch diejenigen, die die Schulbank drücken. Denn sie leiten eigene Unternehmen und Firmen, Einrichtungen oder sind dort in verantwortlicher Position tätig.

Führungsfähigkeit, Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit, unter diesen Themen bietet die Unternehmerschule, zu deren Vorstellung sich am 14. März zahlreiche Interessierte im kleinen Saal der Stadthalle eingefunden hatten, ihre verschiedenen Module an. Die Module fächern sich wiederum in verschiedene Stichpunkte wie Personalführung, Management, Finanzwesen und Finanzplanung oder Vermarktung und Kunden auf.

„Müssen gestandene Unternehmer in die Schule gehen?“, diese Frage stellte sich auch Limburgs Bürgermeister Dr. Marius Hahn in einem kurzen Grußwort. Die Antwort lieferte er gleich mit, denn Lernen sei heute ein lebenslanger Prozess. Mit der Unternehmerschule, davon ist er überzeugt, könne die heimische Wirtschaft gezielt gestärkt werden. Das Angebot dessen, was vermittelt werde und was an Austausch untereinander zwischen den Lernenden möglich ist, überzeuge und ermögliche es auch kleineren Unternehmen, sich dem ständigen Wettbewerb zu stellen.

Auch Elmar Bouillon von der MNT-Gruppe, die Hauptsponsor der Unternehmerschule ist, zollte dem Konzept mit dem breit gefächerten Unterrichtsangebot Anerkennung. Nach seiner Einschätzung gibt es viele Unternehmer, die eine hohe fachliche Kompetenz an den Tag legen, aber Schwächen zum Beispiel in der Betriebswirtschaft aufweisen, was sich dann negativ auswirke. Die Unternehmerschule biete dabei gute Ansätze, um vorhandene Defizite aufzuarbeiten.

Die Unternehmerschule in Limburg ist Teil des Netzwerks Integrative Wirtschaftsförderung, das wiederum an einen eingetragenen Verein angegliedert ist. Peter Müller, Vorstandsvorsitzender des Bonner Instituts, ist Initiator und Erfinder der Unternehmerschule und zeigte sich über den Erfolg in Limburg stolz darauf, dass nach dem Leuchtturm Limburg nun weitere Unternehmerschulen in Hessen am Start sind. „Wo lernt der Unternehmer denn Unternehmer zu sein?“, so seine Frage in die Runde. Dabei sei es wichtig, unternehmerische Kenntnisse auszuweisen. Nur 15 Prozent aller Existenzgründer in Deutschland schaffen es nach seinen Angaben, die ersten fünf Jahre zu überstehen.

„Das spannendste ist der gegenseitige Austausch“, versprach Claus Prégardien, der die Unternehmerschule Limburg leitet und auch Dozent das Modul zu Themen von Vertrieb und Marketing unterrichtet. Das entspreche auch der Intention der Schule, möglichst viel aus der Praxis heraus zu entwickeln. Daneben spreche auch der branchen-übergreifende Ansatz für ein gutes Lernergebnis. Nicht zuletzt die zur Verfügung stehenden Dozenten seien ein Garant dafür, dass das vermittelte Wissen und die Kenntnisse aus der praktischen Erfahrung gesammelt wurden und werden. Prégardien verwies im Rahmen der Vorstellung auch auf die Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Limburg-Weilburg-Diez sowie mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Limburg.

Die erste richtige Lernveranstaltung findet in Limburg am 27. April statt. Weitere Informationen gibt es unter www.netzwerk-niw.de oder per Mail unter info@netzwerk-niw.de. © Claus Prégardien

Interview mit Claus Prégardien,

Schulleiter und Dozent der Unternehmerschule Limburg

Was bezweckt die Unternehmerschule Limburg?

Claus Prégardien: Uns geht es darum, die kleinen und mittelständischen Unternehmen in unserer Region mit konkreten Angeboten zu unterstützen. Sie sollen besser werden in Sachen Führungs-, Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Dabei gehen wir nach dem Prinzip vor Wissen „aus der Praxis für die Praxis“ zu vermitteln – und das in kleinen Gruppen mit maximal 10 Teilnehmern.

An wen richtet sich das Angebot?

Claus Prégardien: Unser Schulungsangebot richtet sich an Existenzgründer, künftige Geschäftsführer im Rahmen einer Unternehmensnachfolge, aber auch an Unternehmensinhaber, die ihr Wissen vertiefen oder auffrischen wollen. Wir vermitteln das betriebswirtschaftliche „Handwerkszeug“ eines Unternehmers.

Der Kreis Limburg-Weilburg zeichnet sich durch viele Inhaber geführte Unternehmen aus. Ist das die Stärke des hiesigen Mittelstands?

Claus Prégardien: Der Mittelstand ist das Rückgrat der heimischen Wirtschaft. 99,6 Prozent aller deutschen Unternehmen zählen zum Mittelstand. Und besonders in Musterstadt ist die Unternehmensstruktur so, dass wir viele inhabergeführte Unternehmen haben, die sich erfolgreich am Markt behaupten müssen. Wir versuchen jeden teilnehmenden Unternehmer für die Organisation und die Optimierung seines Tagesgeschäftes „fit“ zu machen, damit auch sein Unternehmen zukünftig erfolgreich bleibt.

Wo sehen sie Defizite bei den Unternehmen?

Claus Prégardien: Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass es einen hohen, bislang nicht gedeckten Bedarf an Fachkräften gibt. Auch die rechtzeitige Regelung einer Unternehmensnachfolge sehe ich als Thema der hiesigen Unternehmen. Wir zeigen den Teilnehmern konkrete Wege zur Lösung dieser Probleme auf.

Kann man "Unternehmer sein" lernen?

Claus Prégardien: Ja, davon bin ich überzeugt. Was man dazu braucht ist ein Coach, der einem zur Seite steht und zur Selbstständigkeit anleitet. Dieser Coach wollen wir als Unternehmerschule mit unseren Dozenten sein und immer dann einspringen, wenn es ein Problem zu lösen gilt. Ein guter Unternehmer hört übrigens nie auf zu lernen. Und wir bieten die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern.

Ist ein zehntägiges Seminar nicht zu Zeit intensiv für Selbstständige?

Claus Prégardien: Wir wissen genau, dass selbstständige Unternehmer stark in die Tagesabläufe ihrer Unternehmen eingebunden sind. Wir haben uns deshalb bewusst dafür entschieden, die 10 Schulungstage auf einen Samstag zu legen und dies nur einmal im Monat. Damit werden die Unternehmen fast ein Jahr betreut und die Gefahr, gleich wieder in den alten Trott zu fallen, wird minimiert. Die Dozenten helfen natürlich auch zwischen den Schulungstagen gerne weiter.

Woher stammen die Dozenten der Unternehmerschule?

Claus Prégardien: Unsere Dozenten stammen alle aus der Region der Unternehmerschule. Sie sind Praktiker aus der Geschäftsführung und Unternehmenssteuerung und mit den spezifischen Marktgegebenheiten vor Ort bestens vertraut.

Ihre Institution, das Netzwerk Integrative Wirtschaftsförderung, ist ein Non-Profit-Verein". Wie finanzieren Sie sich?

Claus Prégardien: Die Finanzierung des Netzwerks integrative Wirtschaftsförderung erfolgt über Mitglieder und deren Beiträge.

Wer erhält die Schulungsgebühren?

Claus Prégardien: Von den Gebühren werden die freiberuflichen Dozenten und sämtliche Verwaltungskosten gezahlt. Sie sind im Übrigen in einem sehr niedrigen dreistelligen Bereich angesetzt und dürften damit keine Hürde darstellen, wenn Unternehmer wirklich etwas dazu lernen möchten.