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Domplateau behutsam weiter entwickeln

Viele Bäume weisen aufgrund der Trockenheit schon braune Blätter auf oder haben schon ihr Laub abgeworfen. Der Bergahorn in der Nähe des Kiosks am Dom sieht noch deutlich angegriffener aus. Kein Laub, absterbende Äste. Und wo die Rinde abblättert, zeigen sich schwarze Flecken. Der Baum hat die Rußrindenkrankenheit und muss möglichst schnell gefällt werden, damit sich die Pilzsporen nicht weiter verbreiten.
„Wir wollen gerne an den überaus gelungenen ersten Bauabschnitt zur Neugestaltung des Domareals anknüpfen“, macht Bürgermeister Dr. Marius Hahn deutlich. Er verspricht sich eine deutliche Aufwertung der Fläche entlang der Domstraße. Wichtiges Ziel dabei sei es, behutsam vorzugehen, dazu seien die nun laufenden Vorarbeiten durch Baumgutachterin, Archäologen und einer Fachfirma für Kampfmittelsondierung notwendig.
„Das ist kein Einzelfall hier auf dem Domberg, sondern derzeit bei Ahornbäumen sehr häufig anzutreffen“, sagt Claudia Hodel vom Sachverständigenbüro Zorn. Die Baumgutachterin ist auf dem Platz im Einsatz, um dort drei Bäume und deren Wurzelwerk in Augenschein zu nehmen. Neben dem von der Rußrindenkrankheit betroffenen Ahorn noch einen zweiten, deutlich größeren Ahorn und einen alten Kirschbaum. Der große Ahornbaum zeigt noch keine Spuren der Pilzerkrankung und soll möglichst auch davor geschützt werden.
Der befallene Ahornbaum muss nicht nur schnell gefällt, sondern auch besonders entsorgt werden, um ein Ausbreiten der Pilzsporen zu vermeiden. Das fehlende Laub, absterbende Feinäste, die aufreißende Rinde oder Borke, all dies sind Zeichen der Rußrindenkrankheit, die in aller Deutlichkeit in den vergangenen Wochen zu Tage getreten sind. „Der Baum hatte vermutlich schon eine Beschädigung und die trockenen Sommer haben seine Widerstandkraft weiter geschwächt, so dass der Schädling den Baum befallen und zum Absterben bringen konnte“, erklärt Claudia Hodel.
Ihre Aufgabe als Baumgutachterin ist es, der Stadt zu helfen, die bestehenden Bäume auf dem Areal zu erhalten, wenn es neugestaltet wird. Es geht um den zweiten Bauabschnitt für das Domplateau, ganz genau um die Gestaltung der Außenanlage mit Terrassen und Grünflächen. Im Rahmen des 2. Bauabschnitts ist auch der Neubau eines Besucherzentrums vorgesehen. Doch das hat die Politik erst einmal zurückgestellt, da gibt es noch Beratungsbedarf.
Um dies vorzubereiten, finden die Untersuchungen der Baumgutachterin statt. „Unser Ziel ist es, hier alle Bäume zu erhalten“, macht Thorsten Renz von der Abteilung Landschaftsplanung der Stadt deutlich. Das heißt, die baulichen Eingriffe und Veränderungen haben auch das Wurzelwerk der Bäume in den Blick zu nehmen und es zu schonen. Deshalb wird auch danach geschaut, wie die Wurzeln im Boden verlaufen.
Die Öffnungen im Boden machen deutlich, dass das Wurzelwerk sehr dicht an der Oberfläche verläuft, unter einer etwa 15 Zentimeter starken Lehmschicht, die große Teile des Areals bedeckt. „Wurzelbrücken“ sollen später einmal zum Schutz dienen und dann ist auch noch vorgesehen, die baulichen Veränderungen so vorzunehmen, dass große Eingriffe möglichst verhindert werden. Nach Angaben von Landschaftsarchitekt Michael Gattinger ist das bei der vorgesehenen Terrasse dadurch möglich, da sie auf sogenannten Erdpfählen ruht. Doch diese Lösung geht nicht immer, Treppen zum Beispiel benötigen Fundamente.
Eine klare Empfehlung spricht die Baumgutachterin noch aus. Die Lehmschicht, die sich farblich deutlich abzeichnet und große Teile des Areals bedeckt, soll entfernt werden. Stattdessen soll Mutterboden als Ersatz ausgebracht werden, um die Durchlässigkeit für Sauerstoff und Wasser zu erhöhen und somit die Versorgung der Bäume zu verbessern.
Nicht nur die Baumgutachterin ist mit in die vorbereitenden Arbeiten eingebunden, auch ist eine Kampfmittelsondierung durch die Firma Recondis vorgenommen worden. Archäologische Grabungen gibt es auch. Sie werden von Matthias Kornitzky vom IBD in Marburg (Freies Institut für Bauforschung und Dokumentation) geleitet, der vor über zehn Jahren auch die Grabung auf der anderen Seite der Domstraße leitete. Dort wo der damalige Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst seinen Bischofssitz errichten ließ, fanden sich Spuren, die die Siedlungsgeschichte von Limburg um rund 1000 Jahre ins Jahr 500 vor Christus zurückverlegte. Auf dem Areal fanden sich Spuren einer keltischen Siedlung.
Was Kornitzky und sein Team nun gefunden haben, ist deutlich weniger spektakulär. Klar ist, es handelt sich um aufgeschüttetes Material und nicht um gewachsenen Boden. Ein großer Teil der Funde besteht aus Keramikscherben, die Kornitzky in die Zeit zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert datiert. Es sind Streufunde, nichts Zusammenhängendes. Das aufgefüllte Material weist ein hohes Fundaufkommen auf, zum Teil sind es Spuren von jüngsten Baumaßnahmen, es gibt Bügelverschlüsse von Bierflaschen, schon etwas ältere grüne Glasscherben eines bekannten Kräuterlikörs. Bis in eine Tiefe von einem Meter gehen stellenweise die Grabungen. Es sei bei der Nähe zu den keltischen Funden auf der anderen Seite der Domstraße durchaus denkbar, auch auf der aktuellen Grabungsfläche auf entsprechende Funde zu stoßen, so der Grabungsleiter. © Stadt Limburg