Springe zum Inhalt

„Dienstbienen“ zurück in der Stadt

Weltbienentag am 20. Mai: Regierungspräsidium Gießen ist bienenfreundlich – Drei Völker von Imker Joachim Schönig im Garten der Umweltabteilung in der Marburger Straße in Gießen

Gießen. Joachim Schönig ist Imker aus Leidenschaft. Und das seit mehr als 45 Jahren. Umso mehr freut er sich, dass er Hobby und Beruf verbinden kann. Drei seiner 27 Bienenvölker stehen seit einigen Tagen dort, wo er arbeitet: beim Regierungspräsidium Gießen. Die Kästen, in Fachkreisen Beuten genannt, sind natürlich nicht in Schönigs Büro, sondern im Garten des Gebäudes in der Marburger Straße in Gießen, in dem sich die Umweltabteilung befindet. Damit sind die kleinen Tiere pünktlich zum Weltbienentag am 20. Mai zurück in der Stadt – sehr zur Freude von Regierungsvizepräsident Martin Rößler und Abteilungsleiterin Karin Ohm-Winter. Sie schauen Joachim Schönig gerne über die Schulter, als dieser bei seinen Tieren nach dem Rechten sieht und im wahrsten Sinne des Wortes Einblicke in sein gleichermaßen spannendes wie anspruchsvolles Hobby gibt.

„Bienen liefern uns nicht nur leckeren Honig. Sie leisten noch viel mehr, bestäuben zum Beispiel die Obstbäume in unseren Gärten. Umso wichtiger ist es, die Tiere und ihre Lebensräume zu schützen“, betont Regierungsvizepräsident Rößler. Dem kann sich Abteilungsleiterin Ohm-Winter nur anschließen. Sie freut sich, dass die „Dienstbienen“ nach der Fassadensanierung wieder ein Plätzchen im Garten gefunden haben, nachdem sie wegen der Bauarbeiten eineinhalb Jahre praktisch „ausquartiert“ waren.

2011 hatte Joachim Schönig erstmals Bienenstöcke auf dem Gelände aufgestellt. „Das tut auch der Stadt gut“, ist der 57-Jährige nach wie vor überzeugt. Den Bienen gefällt es ebenfalls, gibt es in einer Stadt wie Gießen doch andere Blüten und Gehölze als auf dem Land. Das macht sich auch beim „Stadthonig“ bemerkbar – der schmeckt eben anders.

Für den Kirchhainer ist die Imkerei ein toller Ausgleich zu seiner Arbeit beim RP, die sich um die Genehmigung von Windkraftanlagen dreht. Aber vor allem ist sie ein ausfüllendes und vielseitiges Hobby. Das fängt mit dem Bau der Beuten an und reicht bis zur Vermarktung des Honigs und inzwischen auch der Zucht der Bienen. Wie komplex das Ganze ist, wird bei den Ausführungen Schönigs über die Lebensweise der Tiere, ihre Eigenschaften, die „Teamarbeit“ im Bienenstock, die Auswirkungen von Wind, Kälte und Regen oder Parasiten wie die Varroamilbe schnell deutlich.

„Die Imkerinnen und Imker in Hessen leisten eine hervorragende Arbeit. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Zahl der Bienenvölker in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist“, lobt Regierungsvizepräsident Rößler. „Wir brauchen die Bienen“, bekräftigt Schönig. Nicht nur wegen des Honigs, sondern besonders wegen der Früchte, die in Gärten, auf Wiesen und Feldern wachsen.

Wer den Tieren etwas Gutes tun möchte, muss allerdings nicht wie der 57-Jährige ins Imkergeschäft einsteigen. Es gibt schon viele kleine Dinge, die helfen. „Selbst wenn man nur Insektenhotels aufhängt oder Blühstreifen anlegt, ist das schon viel wert. Wenn dann noch der Vorgarten nicht zur Steinwüste wird oder der Rasen inklusive Gänseblümchen und Klee einfach mal wachsen darf, ist das noch besser“, gibt er einfache Tipps und erhofft sich mehr Aufmerksamkeit für die Insekten.

Was die Fülle an Pflanzen angeht, ist schon allein der Garten der Umweltabteilung ein Paradies für die Bienen. Hier grünt und blüht es, soweit das Auge reicht. „Die Abteilung hat großen Wert darauf gelegt, dass insektenfreundliche Pflanzen wie Sommerflieder und Spieren Einzug in den Park halten“, betont Karin Ohm-Winter. „So sollte ausreichend Nahrung für die Bienen in direkter Nachbarschaft vorhanden sein. Zudem wurde erst im März im Rahmen der CO2-neutralen Landesverwaltung eine Wildkirsche neu gepflanzt, die sich gleichfalls auf die Tiere freut und schön blüht.“

Im Herbst heißt es für die Bienenvölker übrigens wieder: umziehen. Dann bringt Schönig sie zu ihrem Überwinterungsplatz, an dem sie vor Lärm, Tieren und anderen Menschen geschützt sind und die nötige Ruhe haben, um im nächsten Jahr wieder auszuschwärmen. © RP Gießen