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„Die Zukunft des Euro liegt in weiterem ‚Durchwursteln‘“

„Die Zukunft des Euro liegt in weiterem ‚Durchwursteln‘“
Prof. Dr. Stefan Schäfer zu Gast bei der Jungen Union Limburg-Weilburg

Limburg. Im Gewölbekeller eines Limburger Restaurants diskutierte der Kreisverband der Jungen Union (JU) Limburg-Weilburg über unsere Währung, den Euro, als Fundament unseres Wirtschaftssystems. Frederik Angermaier, der JU-Kreisvorsitzende, begrüßte Prof. Dr. Stefan Schäfer als Referenten für diesen Abend. Unter dem Motto „Welche Zukunft hat der Euro?“ gab dieser einen informativen und kurzweiligen Überblick über die aktuellen Herausforderungen und die Probleme, die er auf den Euro zukommen sieht.

Schäfer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain. Nach seinem Abitur an der Tilemannschule in Limburg und einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er Volkswirtschaftslehre an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er wirkte als Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule der Deutschen Bundesbank und war in dieser Zeit auch Gastdozent an der Graduate School der People's Bank of China in Peking.

Euro als Währung funktioniert

Zu Beginn stellte Schäfer fest, dass es schon etwas kurios sei, sich überhaupt die Frage zu stellen, welche Zukunft der Euro habe. Niemand in den USA käme auf die Idee, die Zukunft des Dollars zu hinterfragen oder in Russland, die des Rubels. Schäfer erklärte den rund 25 Gästen einführend die drei Funktionen einer Währung. Eine Währung diene als Zahlungsmittel, als Wertaufbewahrung und als Recheneinheit. Für alle diese drei Funktionen sei die Wertstabilität der Währung ausgesprochen wichtig.

Schäfer entwickelte seinen Vortrag anhand von fünf Leitfragen. Es begann mit der Frage, wie gut der Euro als Währung funktioniere. Dazu veranschaulichte der Volkswirt die Entwicklung der Inflationsrate und des Wechselkurses in der Zeit vor und nach der Euro-Einführung. Es wurde deutlich, dass die Inflationsrate seit der Euro-Einführung geringer und die Wechselkursentwicklung gegenüber dem Dollar stärker war als noch zu Zeiten der Deutschen Mark. Der Euro als Währung funktioniere somit grundsätzlich gut.

EZB-Politik nicht ohne Risiken

Das ökonomische Grundproblem der Eurozone – das seine zweite Leitfrage erfragte – bestehe darin, dass der Eurozone nicht ein Staat gegenüber stehe, sondern 19 Staaten, die selbst keine eigene Währung haben. Die Reaktionsmöglichkeiten der Mitgliedsstaaten bei negativen Entwicklungen seien dadurch stark eingeschränkt, da keine eigenständige Zins- und Wechselkurspolitik mehr möglich sei. Die Eurozone leide somit unter den strukturellen ökonomischen Unterschieden zwischen ihren Mitgliedsländern.

Als drittes fragte Schäfer nach der Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB). Deren aktuelle Niedrigzinspolitik und der Ankauf von Staatsanleihen seien nachvollziehbar, aber mit Risiken verbunden. Beides rufe bedenkliche Immobilienpreisentwicklungen hervor, verberge die Notwendigkeit für Strukturreformen, fordere Banken und Sparkassen heraus und berge Gefahren für die Altersvorsorge. Ein Ausstieg aus dieser expansiven Geldpolitik sei allerdings aktuell kaum vorstellbar, da dieser dramatische Auswirkungen auf die süd- und osteuropäischen Länder haben würde.

Transferunion wahrscheinlich

Bei der Beantwortung der fünften Leitfrage, warum die Probleme nicht gelöst würden, zeigte sich, dass Schäfer sich auch intensiv mit Wirtschaftskulturforschung beschäftigt. Er ging ausführlich auf die politisch-kulturellen Differenzen innerhalb der Eurozone ein, die nicht mal eben durch gemeinsame Regeln beseitigt werden könnten und zum Beispiel bei der Staatsverschuldung sichtbar würden. Ein Euro-Austritt einzelner Länder sei jedoch unwahrscheinlich, da selbst zum Höhepunkt der Krise kein Austritt erfolgte.

Den Zusammenbruch der Eurozone und die Einführung nationaler Währungen oder eines Nord- und Süd-Euro hält Schäfer – nicht zuletzt wegen der Erfahrungen rund um den ‚Brexit‘ – ebenso für keinen realistischen und keinen erfolgsversprechenden Weg. Die Zukunft des Euro, auf die seine fünfte Leitfrage abzielte, liege vermutlich in einem weiteren „Durchwursteln“ und einer wie auch immer gestalteten Transferunion.

Im Anschluss an den Vortrag moderierte Angermaier eine Diskussion, bei der die Zuhörerinnen und Zuhörer die Möglichkeit hatten, ihre eigenen Fragen zum Vortrag und darüber hinaus an Schäfer zu richten. Es ergab sich eine rege Diskussion rund um die Staatsverschuldung in Europa, die aktuell niedrigen Zinsen sowie die daraus resultierenden Folgen für Sparerinnen und Sparer. Angermaier bedankte sich schließlich mit einem kleinen Präsent bei Prof. Dr. Schäfer für sein Kommen und seinen gelungenen Vortrag.

© Frederik Angermaier·Kreisvorsitzender Junge Union Limburg-Weilburg