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DERA-Rohstoffliste 2021: Erhöhte Lieferrisiken weiterhin bei fast der Hälfte aller Rohstoffprodukte

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat jetzt einen neuen Monitoring-Bericht zur weltweiten Angebotskonzentration wichtiger Rohstoffe und Zwischenprodukte veröffentlicht. In der „DERA-Rohstoffliste 2021“ sind insgesamt 34 Metalle, 27 Industrieminerale, dazu Kokskohle sowie 217 Handelsprodukte aufgeführt. Das Ergebnis der aktuellen Erhebung: Fast 45 % der untersuchten Bergwerks-, Raffinade- und Handelsprodukte unterliegen erhöhten Lieferrisiken. Die Volksrepublik China nimmt weiterhin eine dominierende Rolle als wichtigster Anbieter bei einer Vielzahl von Rohstoffen ein.
Bei 22 der 53 untersuchten Bergwerksprodukte ist China größtes Förderland, bei 13 weiteren Rohstoffen ist das Land unter den ersten drei Abbauländern zu finden. Noch signifikanter ist die Situation bei der Raffinadeproduktion. Bei 25 der 27 untersuchten Produkte dominiert das Land die Weiterverarbeitung. Dies zeigt die Bedeutung Chinas für die internationale Rohstoffversorgung.

Die aktuelle DERA-Rohstoffliste 2021 ist Teil des DERA-Rohstoffmonitorings und mittlerweile die fünfte Auflage seit dem Jahr 2012. Im Vergleich zur „DERA-Rohstoffliste 2019“ zeigen sich sowohl bei den Bergwerks- als auch bei den Raffinadeprodukten einige Veränderungen“, erläutert Michael Schmidt, Mitautor der DERA-Rohstoffliste. So führte beispielsweise bei Lithium die gestiegene Nachfrage aus dem Bereich der E-Mobilität nicht nur zu einer deutlichen Preissteigerung, sondern auch zu einem umfassenden Ausbau der Bergwerksförderung, insbesondere in Australien. Das Land baute seinen Anteil an der globalen Bergwerksförderung im Betrachtungszeitraum von 38 % auf über 60 % aus. Damit veränderte sich auch die Situation auf dem Weltmarkt: Die Länderkonzentration bei Lithium hat sich weiter in den kritischen Bereich verschoben. Auch bei Nickel nimmt die Länderkonzentration durch den starken Ausbau der Bergwerksförderung und Raffinadeproduktion in Indonesien weiter zu. Dagegen hat sich die Angebotskonzentration für den Handel mit Nickelerzen und -konzentraten deutlich reduziert, nachdem Indonesien sein Exportverbot für Nickelerze und -konzentrate wieder aufgehoben hat
Da in Deutschland nur ein Teil der benötigten Rohstoffe gewonnen wird, sind deutsche Unternehmen – insbesondere bei Metallen und Industriemineralen sowie deren Zwischenprodukte der ersten Wertschöpfungsstufen – auf Importe angewiesen. Bei 77 von 217 untersuchten Handelsprodukten ist Deutschland weltweit unter den Top 3-Importeuren. Ob Wolframkarbid aus Österreich, Palladium aus den USA, Chrom aus Russland, Chromtrioxid aus Kasachstan, Seltene Erden aus China oder Minerale der Disthen-Gruppe aus Südafrika – die Bezugsquellen sind genauso vielfältig wie die Rohstoffe selbst.
„Komplexe und aufeinander aufbauende Lieferketten beinhalten außerdem immer das Risiko, dass diese unterbrochen werden können, wie zuletzt im Rahmen der Covid-19-Pandemie – mit gravierenden Auswirkungen auf Produktionsprozesse sowie einer stark eingeschränkten Planungssicherheit für deutsche Unternehmen und den Industriestandort Deutschland“, erläutert Maren Liedtke, Mitautorin der DERA-Rohstoffliste.
Insbesondere mit dem Blick auf die großen Herausforderungen der Zukunft, wie beispielsweise die Mobilitäts- und Energiewende, die einen veränderten und stark steigenden Rohstoffbedarf mit sich bringen, nimmt die Beobachtung und Analyse der internationalen Rohstoffmärkte eine wichtige Rolle ein, um potenzielle Preis- und Lieferrisiken frühzeitig zu identifizieren.

Die DERA-Rohstoffliste ist ab sofort auf der Website der DERA verfügbar. Die Ergebnisse werden am 03.08.2021 im Rahmen eines DERA-Industrieworkshops vorgestellt. Interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich unter folgendem Link kostenfrei für die Veranstaltung registrieren: https://dera-rohstoffliste.ascrion.com/

Weiterführende Informationen:
Studie „DERA-Rohstoffliste 2021“

#© Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)