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Der Zug der Könige in St. Peter & Paul zu Villmar

„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ [Mt 2,1-2]

Der Text aus dem Matthäusevangelium ist uns vertraut und volkstümlich sind die „Sterndeuter“ als „Heilige Drei Könige“ bekannt. Aber wer waren sie (wenn es sie wirklich gab)?

Der griechische Urtext nennt sie μάγοι (magoi, wörtlich „Magier“), auch eine Bezeichnung für persische Priester, zuständig für Berechnung und Deutung der Himmelserscheinungen. Aus der Dreizahl der Gaben wurde auf drei Überbringer geschlossen und im 6. Jh. setzt sich die Interpretation als Könige durch – mit Blick auf Texte des Alten Testaments, so Psalm 72: „Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Gaben, mit Tribut nahen die Könige von Scheba und Saba.“ Historisch belegt ist aus dem Jahr 66 eine Huldigung armenischen Priesterkönigs Trdat I. vor Kaiser Nero in Rom - begleitet von „Magiern“.

Schon in der spätantiken christlichen Kunst erscheinen die drei Weisen auf Fresken in Katakomben oder Bildhauerarbeit auf Sarkophagen in Gestalt persischer Priester mit phrygischen Mützen. Ein Mosaik des 6. Jh. in Ravenna nennt die bis heute gebräuchlichen Namen:
Caspar, Melchior und Balthasar

Nach Beda Venerabilis (672/3-735) repräsentieren sie die drei Lebensalter und die drei damals bekannten Erdteile, denen wiederum ihrer Herkunft nach die drei Gaben zugeordnet werden: Europa (Gold), Asien (Weihrauch) und Myrrhe (Afrika). Diese Symbolik wurde in der Folgezeit prägend für die bildende Kunst und ab dem 12. Jh. erscheint der Vertreter Afrikas (meist der jüngste König) gelegentlich, später regelmäßig als Mohr.

Die Szene der Villmarer Weihnachtskrippe zeigt am Jakobusaltar (dem Geschehen in Bethlehem gegenüber) den Zug der Könige unter dem Stern – dargestellt in der seit Giotto (1305) traditionellen Gestalt als Komet. Jedem ist ein Banner zugeordnet, das für den jeweiligen Erdteil steht. Ihren Ursprung haben sie in mittelalterlichen Wappenbüchern, wo ab dem 14. Jh. Fantasiewappen der Heiligen Drei Könige erscheinen. Kurz danach tauchen sie in der bildenden Kunst als wiederkehrendes Motiv auf – vom „Altar der Stadtpatrone“ (Stefan Lochner, 1445) im Kölner Dom bis Albrecht Dürer: Sternenbanner (Europa), Mondsichel mit Stern (Asien) und Mohrenritter mit Fahne und Schild (Afrika).

Der Zug der Könige steht unter dem Bildnis des hl. Jakobus, das an Villmarer Pilger erinnert. 1491 wurde in der alten „Basilica“ anlässlich der Gründung einer Jakobus-, Matthias- und Sebastiansbruderschaft St. Jakobus dem Matthiasaltar als Mitpatron hinzugefügt.

Am 1. Januar wandern die Könige auf dem Weg zur Krippe zum Muttergottesaltar um dann am 6. Januar vor dem Jesuskind zu erscheinen. © Dr. Bernold Feuerstein, Villmar