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Der Berliner Künstler Bodo Rott präsentiert 40 Werke in den Limburger Kunstsammlungen

Alles nur Schwindel in sternloser Nacht?

Der Berliner Künstler Bodo Rott präsentiert 40 Werke in den Limburger Kunstsammlungen

Der Widerspruch ist deutlich. „Warum malen Sie nur traurige Kinder?“, wird der Berliner Künstler Bodo Rott von einem Besucher während der Eröffnung seiner Ausstellung „sternlose nacht“ in den Limburger Kunstsammlung gefragt.

Nur traurige Kinder? „Nein, ich male nicht nur traurige Kinder“, entgegnet der Künstler. Was seinen Kindern fehle, das sei dieses erwartete Dauerlächeln, aber traurig seien sie deshalb nicht.

Sind es tatsächlich Kinder, die Bodo Rott auf und mit seinen Bildern zeigt? Der erste Blick lässt diesen Eindruck zu. Aber es stellen sich Zweifel ein. Irgendwie sehen diese Kinder wie Erwachsene aus. Von ihren Gesichtszügen, ihrem Umfeld. Alles Schwindel? „Ich brauche den Schwindel und zeige ihn. Deswegen bin ich ein figürlicher Maler, weil sich da vielfältiger Schwindeln lässt“, gibt Rott während der Eröffnung Einblick in seine Arbeit. Der Künstler entpuppt sich dabei nicht nur als Meister mit Farbe, Pinsel und Spachtel, sondern auch als ein Könner im Umgang mit Worten.

Nach den einführenden Worten und der Begrüßung durch Stadtrat Andreas Koch verzichtet Rott darauf, sein Werk erklären und erläutern zu lassen. Die Aufgabe übernimmt er selbst. Ein bunter Auftritt, im wahrsten Sinne des Wortes. Gekleidet in seine Malerkluft mit vielerlei farblichen Zeugnissen seiner Schaffensprozesse und ausgestattet mit einem leeren Farbeimer, den er sich wie eine Trommel umgehängt hat. Und als Schlagstöcke dienen ihm zwei Pinsel, um mit ständigen Schlägen seine Worte akustisch zu untermalen, um den Aussagen über seine Art des Malens einen Takt zu geben:

„Bumm, Bumm. Ziel meines Malens ist das Bild. Ich wende Vorstellungen in meinem Kopf. Bumm, Bumm. Die Vorstellungen zum Beispiel von einem Bild ist folgende. Bumm, Bumm. Es hat vier Ecken, es ist bis an die Kante vollgemalt, es hängt an der Wand. Bumm, Bumm.“

Natürlich sind Rotts Bilder mehr als bis zur Kante vollgemalte Flächen. Es sind Figuren, die sich begegnen, die sich unter Titeln wie „Schutzmantelmadonna“ oder „Alswirallenochheirateten“ zusammenfinden. Nichts ist, wie es auf den ersten Eindruck scheint. Eben Schwindel, wie Rott erklärt: „Bumm, bumm. Zum Schwindel gehören auch meine Figuren. Bumm, bumm. Als eine Kreuzung von Erfindung, Beobachtung und Erinnerung. Bumm, bumm. Gerieben an der Vorstellung von Kindheit. Bumm, bumm.“

Es sind Vorstellungen von Kindheit, die an das Kunstverständnis der Renaissance erinnern, wie Koch in seiner Begrüßung im Namen der Stadt und des Fördervereins für Bildende Kunst, erläutert. Kinder, sofern es solche sind, dargestellt in einem bedrohlich wirkenden Umfeld. Der Anschein eines Idylls vermischt mit Bedrohlichkeit, mit Spannung und Ernst.

In persönlichen Gesprächen verdeutlicht Rott nach dem offiziellen Teil der Eröffnung seinen Schaffensprozess. Der Auftakt oft spontan und getrieben, dann entstehen Pausen. Das Bild verändert sich. Personen und Gegenstände verschwinden wieder, Neues kommt hinzu. „Was mich überrascht ist das was mich erfreut“, gibt der Künstler zu Protokoll.

40 Werke sind es, die Rott in den Kunstsammlungen bis zum 2. Juni präsentiert. Im Vordergrund stehen dabei seine „schwarzen“ Gemälde – so genannt, weil die Szenen auf teerschwarzem Hintergrund arrangiert sind, also im übertragenden Sinn in einer sternlosen Nacht. Mit seinen in den schwarzen Gemälden dominierenden Nichtkinderkindern hat er einen Figurenkosmos erschaffen, der in Szenen seine Erfahrungen und Erinnerungen sowie seine Ideen über die Malerei spiegelt. Seine Kinder sind alleinerziehende Kinder und agieren kraftvoll in einem oft bedrohlich wirkenden Umfeld. In diesem Kosmos findet Rott Bilder, die nicht nur für seine Erfahrungen stehen, sondern auch bei den Betrachtenden das Erinnern auslösen.

„Eine außergewöhnliche bildgewaltige Ausstellung, in der die Grenzen zwischen Schein und Wirklichkeit, Innen und Außen verschwimmen. Die Betrachter finden sich in die Situation der Auseinandersetzung zwischen Bildinhalten und eigener Erfahrungswelt wieder“, beschreibt Irene Rörig, Leiterin des Kulturamtes der Stadt Limburg, die Ausstellung.

Öffnungszeiten: Montag und Dienstag von 8:30 bis 12 Uhr, Mittwoch von 8:30 bis 14 Uhr, Donnerstag von 8:30 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr, Freitag/Samstag/Sonntag/Feiertage von 11 bis 17 Uhr; Karfreitag geschlossen. © Stadt Limburg