Springe zum Inhalt

Damit der alte Brauch auch wirklich zum Vergnügen wird

Experten des Regierungspräsidiums Gießen geben Tipps für das Osterfeuer –
Zwei Wochen vorher anmelden

Gießen. In Kürze werden die meisten Corona-Regeln aufgehoben – Masken und Testpflicht fallen weitgehend weg. Damit dürfte die Zahl der Veranstaltungen von Vereinen und Co. steigen. „Ostern steht vor der Tür und passend dazu gibt es in vielen Orten Osterfeuer. Veranstalter müssen allerdings bereits bei der Planung und beim Osterfeuer selbst ein paar Grundregeln beachten. Unsere Experten geben daher Tipps zu richtigem Material, umsichtigem Verhalten und Tierschutz“, berichtet Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Die Regeln gelten natürlich nicht nur für das Osterfeuer, sondern für Brauchtumsfeuer allgemein.

„Grundsätzlich gilt: Um einen Schaden an Umwelt und Besuchern zu vermeiden, darf für ein solches Brauchtumsfeuer lediglich trockenes und unbehandeltes Holz oder auch Ast- und Strauchschnitt verwendet werden“, erläutert Dr. Florian Peuckert, stellvertretender Dezernatsleiter für kommunale Abfallwirtschaft im RP Gießen. Die Veranstalter seien dafür verantwortlich, Abfälle auszusortieren, bevor das Holz aufgeschichtet wird. Sperrmüll, Altreifen, behandelte Paletten oder Ähnliches haben im Feuer nichts verloren. Wer das nicht beachtet und erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen. „Dann wird der alte Brauch schnell zu einem teuren Ostervergnügen“, gibt Dr. Florian Peuckert zu bedenken.

Für die Verbrennung von pflanzlichen Abfällen gelten besondere Vorschriften. Demnach dürfen diese aus nur im Ausnahmefall verbrannt werden. Und ein Brauchtumsfeuer ist eine solche Ausnahme. „Wichtig zu wissen ist auch: Alte Bretter oder Balken gelten nicht als pflanzliche Abfälle, sie werden über die Sperrmüllabfuhr oder in einer dafür zugelassenen Abfallentsorgungsanlage entsorgt“, betont Dr. Florian Peuckert.

„Wer sich richtig vorbereitet und verantwortungsvoll handelt, kann sich auf ein sicheres Osterfeuer freuen“, sagt Dr. Thomas Stumpf, Leiter des für Brandschutz zuständigen RP-Dezernats. Dazu gehört neben bestimmten Mindestabständen zu Gebäuden, Autobahnen, Wäldern und Naturschutzgebieten auch ein Sicherheitsstreifen von fünf Metern Breite. „Damit wird ein direktes Übergreifen des Feuers vermieden.“ Der Sicherheitsstreifen kann durch Umpflügen oder Fräsen angelegt werden. „Achten Sie darauf, dass die Besucherinnen und Besucher ausreichend Abstand zum Feuer halten. Besonders Kinder und angetrunkene Gäste sollten Sie im Auge behalten“, lautet sein Tipp. „Und sollte das Feuer dennoch außer Kontrolle geraten, alarmieren Sie sofort die Feuerwehr über den Notruf 112, falls sie nicht ohnehin vor Ort ist.“

Nicht zuletzt spielt auch der Tierschutz eine große Rolle bei einem Brauchtumsfeuer. Die Feuerstelle darf erst am Tage des Anzündens aufgeschichtet werden. Ansonsten können Tiere darin einen Unterschlupf suchen und qualvoll verbrennen. „Auch ein vorheriges Rütteln an dem Stapel hilft nicht. Viele Tiere verhalten sich passiv, anstatt zu flüchten“, betont Dr. Wolfgang Kulow, Leiter des Dezernats für Veterinärwesen und Verbraucherschutz im Regierungspräsidium Gießen.

Veranstalter müssen außerdem wissen, dass Brauchtumsfeuer mindestens zwei Wochen vor der feierlichen Entzündung bei der jeweiligen Stadt oder Gemeinde angezeigt werden müssen. Eine Orientierungshilfe zur Anzeige, Durchführung und Gefahrenabwehr bei Brauchtumsfeuern mit vielen wichtigen Informationen gibt es auf der Internetseite des Hessischen Umweltministeriums unter https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-06/orientierungshilfe_brauchtumsfeuer.pdf. © RP-Gießen