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Cybermobbing & Stalking – Opfer erkennen und Hilfen zuführen – Veranstaltung in Waldbrunn mit Joachim Veyhelmann (MdL) uvam.

Kaum ein Kind oder Erwachsene/r, die/der nicht schon mindestens einmal im Leben in irgendeiner Form zurückgesetzt wurde. Nannte man es früher Hänseln und tat es nicht weniger weh, so bekommen Hänseler heute moderne Namen wie "Mobber" oder "Stalker". Die Betätigungsfelder sind die gleichen - es geht darum, dass Menschen aufgrund persönlicher Eigenschaften, Umstände, zurückgewiesener Liebe, Hass oder anderen niederer Beweggründe zurückgesetzt werden. Dies kann im Verhältnis 1:1 oder meist in Gruppen geschehen. Begegnete man sich früher dann doch irgendwann mal im persönlichen Leben, konnte man das glücklicherweise mit einigen direkten Worten "Aug in Aug" klären oder es zumindestens versuchen. Die scheinbare Anonymität des Internet senkt die Hemmschwelle jedoch drastisch, so dass es heute per Tastendruck, Mausklick oder Wisch auf dem Smartphone gelingen kann, Menschen online zu denunzieren, ihr Leben zu zerstören und gar in den Selbstmord zu treiben.

Das Bestreben von Politik und Sicherheitsbehörden hat sich dieser Thematik in vielen rechtlichen und organisatorischen Schritten in den letzten Jahren genähert. Joachim Veyhelmann (MdL) brachte kürzlich in Waldbrunn im dortigen Dorfgemeinschaftshaus nicht nur die beiden erstgenannten sondern auch diejenigen zusammen, die dann bereit sind, helfend zu unterstützen, wenn es bereits zur Tat gekommen ist.

Da sich betroffene Kinder/Jugendliche/Erwachsene vor Scham oder gar Angst nicht ohne weiteres an Freunde/Familie/Organisationen oder die Polizei wenden, ist es die Aufgabe von uns allen, hier ein aufmerksames Auge und Ohr auf die Menschen in unserem Umfeld haben.

Ändern sich Noten in der Schule, gibt es Auffälligkeiten im Verhalten, zieht sich ein Kind zurück, sinkt die Leistung am Arbeitsplatz, ist ein sonst aufgeweckter Kollege plötzlich still und leise ? Bemerkt der Rettungsdienst bei einer Alarmierung, dass vielleicht mehr dahinter steckt, als das gemeldete Notfallgeschehen ? Hat die Polizeistreife etwas bemerkt, was in die besagte Richtung gehen könnte ?

Dann heißt es: HINSCHAUEN und HILFE ANBIETEN oder der HILFE ZUFÜHREN.

Neben der Opferhilfe in Limburg ist auch der WEISSE RING e.V. bundesweit vertreten und täglich über eine einheitliche Rufnummer erreichbar.

Jede Polizeidienststelle, jeder Arzt, Lehrer ... überall kann aufmerksam gemacht werden, wenn man sich selbst in der Situation wiederfindet oder sich Sorgen um Freunde/Kameraden/Arbeitskollegen macht.

Mit bei der Veranstaltung waren auch Schulpsychologe Dr. Georg Kuhn vom Staatlichen Schulamt für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg-Weilburg, Kriminaldirektor Frank-Helmut Göbel, die aus ihrer täglichen praktischen Arbeit berichteten. Der leitende Ministerialrat im Hessischen Ministerium der Justiz sprang kurzfristig für die eigentlich geplante Hessische Ministerin der Justitz, Eva Kühne-Hörmann ein und informierte über die seit Jahren laufenden rechtlichen Stärkungen der Opferbelange.

Hierzu noch zwei Statements von Joachim Veyhelmann (MdL) und Céline Sturm vom WEISSEN RING.

Joachim Veyhelmann (MdL)

Bildergalerie: https://www.oberlahn.de/Bildergalerie/?gal=9989

Joachim Veyhelmann, Mdl:
Psychische Gewalt in jeglicher Form leider sehr weit verbreitet

"Mobbing und Stalking, heutzutage sehr schnell verwendete Begriffe, die jedoch nicht immer eine Situation treffend beschreiben. In meiner Veranstaltung zum Thema sollen die Unterschiede herausgearbeitet wer­den und es soll aufgezeigt werden, dass es vielschichtiger Anstrengungen aller ge­sellschaftlich Verantwortlichen bedarf, um dem grundsätzlichen Phänomen zu be gegnen.

Vor allem auch die Politik muss sich des Themas annehmen und Rahmenbedingun­gen schaffen, die ein wirksames und nachhaltiges Einschreiten gegenüber den sog. Tätern ermöglichen.

Veyhelmann erklärte: ,,Leider ist die Anwendung  psychischer  Gewalt  heute nicht nur in der Schule immer häufiger festzustellen und die Betroffenen wissen in vielen Fällen nicht, wie sie dieser entgegentreten können."

Diese Menschen mit denjenigen zusammenzubringen, die in der Bekämpfung solcher Phänomene Erfahrung habe, war das Ziel des Themenabends in  Waldbrunn­ Fussingen, so Veyhelmann weiter. Es bestand Gelegenheit, sich mit Vertretern der Rettungsdienste von Deutschem Roten Kreuz und Malteser Hilfsdienst, der Notfallseel­ sorge, der Polizei, der Opferhilfe Limburg-Weilburg, des Weißen Ring und der Landes­regierung auszutauschen.

Besonders förderlich beim Aufbau psychischen Drucks jeglicher Art sind heutzutage natürlich in erster Linie die modernen Medien. Anonym und ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, können diejenigen, die über etwas weitere Kenntnisse verfügen und Spuren verwischen können, hier munter agieren.

Veyhelmann: ,,Wir müssen auf allen Ebenen des politischen und behördlichen Han­delns ein entsprechendes Instrumentarium aufbauen, welches eine umfassende präventive Arbeit ermöglicht."

Nur über eine gute Präventionsarbeit kann man sicherstellen, dass entsprechende Versuche schnell erkannt werden und dann in vielen Fällen von vorneherein ins leere laufen.

Ich bedanke mich bei allen, die sich dieser Aufgabe stellen ganz herzlich für die ge­ leistete Arbeit und das hohe Engagement." © Joachim Veyhelmann (MdL)

Das Pressestatement von Céline Sturm Referentin für Kriminalprävention in der Bundesgeschäftsstelle des WEISSEN RINGS:

Céline Sturm (WEISSER RING e.V.)

Durch den eigenen Schutzschild und das zivilcouragiertes Eingreifen Anderer Opferwerdung verhindern

Mobbing oder Mobben ist ein – von außen oft nur schwer erkennbarer – Prozess, der in der Regel von einer Gruppe ausgeht. Dabei agieren nicht nur Mobber strategisch, sondern auch deren Anhänger und Zuschauer, die die Handlungen aktiv unterstützen oder auch „nur“ passiv geschehen lassen. Die Opfer sollen verletzt, eingeschüchtert, entmutigt, stigmatisiert und ausgegrenzt werden. Folgen können schwere psychologische oder psychosomatische Schäden bis hin zum Selbstmord sein. Fanden diese Gruppenprozesse in der Vergangenheit beispielsweise am Arbeitsplatz oder in der Schule statt, bieten die digitalen Medien anonyme und weiterreichende Möglichkeiten einem Opfer zu schaden. In den sozialen Netzwerken werden Nachrichten, Bilder und Videos ungefiltert, schnell und über große räumliche Entfernungen hinweg verbreitet. Dort verbleiben sie auf unbestimmte Zeit, sind einer breiten Öffentlichkeit zugängig und lassen sich auch nur schwer wieder entfernen: Das Internet vergisst nichts.
Die ständige Verfügbarkeit von Smartphones mit all ihren Funktionen erleichtert es Cybermobbern, jederzeit private Sprachaufnahmen sowie diskreditierende, auch speziell für diesen Zweck hergestellte oder bearbeitete, Fotos oder Filme zu veröffentlichen und zu verbreiten. Da im Netz Mobbing auch im Schutz der Anonymität stattfinden kann, ist die Hemmschwelle für Täter viel geringer als in der analogen Welt. Für Opfer ist es ungleich schwerer, sich gegen diese gezielten Angriffe zu wehren. Außerdem halten Scham und Angst, die Situation für sich selbst noch zu verschlimmern, die Geschädigten häufig davon ab, sich schnell Hilfe zu suchen. Da es sich bei Mobbing und Cybermobbing um einen eigendynamischen Prozess handelt, ist es umso wichtiger, diesem Verlauf möglichst schnell entgegenzuwirken.

Der WEISSE RING bietet Opfern von Cybermobbing und ihren Angehörigen menschlichen Beistand in dieser schwierigen Situation. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des WEISSEN RINGS sind professionell ausgebildet, sie hören zu, beraten und können den Opfern Kontakte zu Organisationen und Behörden vermitteln, die mit der Problematik vertraut sind.
Auch in der Präventionsarbeit des WEISSEN RINGS ist der Bereich Cybermobbing ein wichtiges Thema: So gehen Mitarbeiter des Vereins beispielsweise in Schulen, um Lehrer, Eltern und Schüler für die Thematik zu sensibilisieren. In Informationsveranstaltungen oder Workshops, auf www.weisser-ring.de und in gedruckten Broschüren klärt der WEISSE RING über die schwerwiegenden Folgen für Mobbingopfer auf und empfiehlt zivilcouragiertes Eingreifen der indirekt Beteiligten, um den Mobbingprozess schon zu Beginn, aber auch noch im weiteren Verlauf stoppen zu können.
WEISSER RING nimmt verstärkt Schutz von Stalking-Opfern in den Blick
Wie beim Cybermobbing sind die Handlungen, die den Straftaten im Stalking-Zusammenhang zugrunde liegen, vielfältig. Häufig ist die vom Täter ausgehende Bedrohung für Außenstehende nicht eindeutig zu erkennen. Zumal hier ein eigendynamischer Täter-Opfer-Prozess in Gang gesetzt wird, in dem das Opfer möglichst schnell Unterstützung erhalten muss.

Neben Aufklärung und unterstützenden Maßnahmen hat der WEISSE RING aktuell eine Tagebuch-App entwickelt, mit der Opfer sämtliche Attacken unmittelbar zum Geschehen dokumentieren und somit auch bei einer polizeilichen Anzeige belegen können. Umfangreiche Informationen finden sich auf www.nostalk.de. Die NO STALK-App ist in den üblichen App-Stores kostenfrei erhältlich.

Der WEISSE RING wurde 1976 in Mainz gegründet als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“. Er ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Der Verein unterhält ein Netz von mehr als 3.000 ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Opferhelfern in bundesweit mehr als 400 Außenstellen, beim Opfer-Telefon und in der Onlineberatung. Der WEISSE RING hat mehr als 100.000 Förderer und ist in 18 Landesverbände gegliedert. Er ist ein sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe. Der Verein finanziert seine Tätigkeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und testamentarischen Zuwendungen sowie von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängten Geldbußen. Der WEISSE RING erhält keinerlei staatliche Mittel.

Kriminaldirektor Frank-Helmut Göbel (Leider der Polizeidirektion Limburg), Céline Sturm (Referentin Kriminalprävention beim WEISSEN RING e.V., Tobias Grän, André Geier (Aussenstellenleiter WEISSER RING Limburg-Weilurg), Bernd Borchert (AS Limburg-Weilburg, WEISSER RING)