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Bundesamt für Strahlenschutz koordiniert europäisches Radon-Forschungsprojekt

Projekt RadoNorm soll Schutz von Arbeitnehmer*innen und Bevölkerung verbessern

Unter der Federführung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) werden in den kommenden fünf Jahren 56 europäische Institutionen zusammenarbeiten, um den Schutz von Arbeitnehmer*innen und Bevölkerung vor dem radioaktiven Gas Radon und vor Rückständen aus industriellen Prozessen mit erhöhter natürlicher Radioaktivität (NORM) zu verbessern: Die Europäische Union (EU) hat angekündigt, ein vom BfS initiiertes und geleitetes Forschungskonsortium mit insgesamt 18 Millionen Euro zu fördern.

Wichtiges Signal für den Strahlenschutz
„Die Förderzusage der EU ist ein großer Erfolg für das BfS und seine Partner“, betonte BfS-Präsidentin Inge Paulini. „Sie ist ein wichtiges Signal, das den Stellenwert des Strahlenschutzes und der Strahlenschutz-Forschung in der EU unterstreicht.“

„Das Projekt RadoNorm bietet die einzigartige Chance, Verbesserungen des Strahlenschutzes in den Bereichen Radon und NORM ganzheitlich anzugehen: Die Vielzahl der beteiligten Partner ermöglicht es, Kompetenzen, Erfahrungen und Infrastrukturen aus verschiedenen Disziplinen, Nationalitäten und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zusammenzubringen und gemeinsam zu nutzen“, sagte Paulini.

Radon und NORM
Etwa die Hälfte der durchschnittlichen natürlichen Strahlenbelastung in Deutschland wird durch das radioaktive Gas Radon verursacht. Radon entsteht im Boden. Von dort kann es in Gebäude gelangen und sich in der Raumluft anreichern. Erhöhte Radon-Konzentrationen in der Atemluft erhöhen das Lungenkrebsrisiko.

Die Abkürzung NORM steht für „naturally occurring radioactive materials“ – Rückstände aus industriellen Prozessen mit erhöhter natürlicher Radioaktivität. Ein Beispiel sind Ablagerungen in Förderrohren aus der Erdöl- und Erdgasindustrie. Je nach Lagerstätte können die Ablagerungen verhältnismäßig hohe Gehalte des radioaktiven Elementes Radium aufweisen.

Strahlenschutz für Alltagssituationen
Das multidisziplinäre Forschungsvorhaben RadoNorm soll das Wissen über die Wirkungen niedriger natürlicher Strahlendosen sowie über Alltags- und Arbeitssituationen verbessern, in denen sie vorkommen. Darauf aufbauend wollen die beteiligten Institutionen wirksame Schutzmaßnahmen und wissenschaftsbasierte Empfehlungen für Regulierungs¬maßnahmen entwickeln.

Neben naturwissenschaftlichen Ansätzen liegt ein Forschungsschwerpunkt auf der gesellschaftlichen Akzeptanz und Umsetzbarkeit der Maßnahmen. Einen hohen Stellenwert für eine erfolgreiche Verbesserung des Strahlenschutzes hat darüber hinaus die Verbreitung der Erkenntnisse aus dem Forschungsvorhaben unter Stakeholdern und in der Bevölkerung. Dies soll auch die Akzeptanz von Maßnahmen zur Minderung der Strahlenexposi¬tion, zum Beispiel in Wohngebäuden, erhöhen.

Die Untersuchungen der Strahlenwirkungen berücksichtigen beruflich exponierte Personen und Personen aus der Bevölkerung einschließlich strahlenempfindlicherer Gruppen wie Frauen, Kinder und Schwangere. Mit Doktoranden- und Post-Doc-Programmen ist eine gezielte Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vorgesehen, um die Kompetenzen im Strahlenschutz in Europa langfristig zu erhalten und, wo nötig, auszubauen.

RadoNorm im Detail
An dem multidisziplinären Forschungsvorhaben RadoNorm „Towards effective radiation protection based on improved scientific evidence and social considerations – focus on radon on NORM“ beteiligen sich 56 Strahlenschutzinstitutionen, Forschungszentren und Universitäten aus 22 EU-Staaten sowie aus assoziierten Staaten. Darüber hinaus soll mit Partnern in den USA und Kanada zusammengearbeitet werden. Die Laufzeit des Projektes beträgt fünf Jahre. RadoNorm wird aus dem EU-Rahmenprogramm Horizont 2020 finanziert. Die entsprechenden Förderverträge werden in den kommenden Wochen geschlossen.

Arbeitspakete und deren Leitung
Die Steuerung von RadoNorm liegt beim BfS. Mitarbeiter*innen des BfS sind darüber hinaus an allen weiteren Arbeitspaketen beteiligt. Insgesamt umfasst RadoNorm acht Arbeitspakete:

• Koordination und Management des EU-Projektes einschließlich wissenschaftlicher und finanzieller Administration: Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), Deutschland
• Detaillierte Charakterisierung der Radon- und NORM-Exposition: Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN), Frankreich
• Optimierung der Dosimetrie für spezifische Expositionsszenarien: Hungarian National Nuclear Research Programme (MTA-EK), Ungarn
• Bewertung der Auswirkungen und Risiken von Radon und NORM für Mensch und Umwelt: Radiation and Nuclear Safety Authority (STUK), Finnland
• Verbesserung der technischen Maßnahmen zur Verringerung der Exposition: Státní ústav radiační ochrany, v.v.i. (SÚRO), Tschechische Republik
• Einbeziehung sozialer und gesellschaftlicher Aspekte in wissenschaftliche Empfehlungen und Risikokommunikation: Studiecentrum voor Kernenergie - Centre d'Étude de l'énergie Nucléaire (SCK - CEN), Belgien
• Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Stockholms universitet (SU), Schweden
• Verbreitung der Erkenntnisse unter Stakeholdern und Bevölkerung: Elektroinštitut Milan Vidmar (EIMV), Slowenien

Horizont 2020
Horizont 2020 ist das Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation. Als Förderprogramm zielt es darauf ab, EU-weit eine wissens- und innovationsgestützte Gesellschaft und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen. Neben reinen Forschungsaktivitäten wird die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung durch gezielte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie durch Bereitstellung geeigneter Infrastrukturen gewährleistet. RadoNorm wird unter Horizont 2020 im Rahmen des Forschungs- und Ausbildungsprogramms der Europäischen Atomgemeinschaft – Euratom gefördert.

Informationen über Radon und industrielle Rückstände (NORM)
• www.bfs.de/radon
• www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/rueckstaende/einfuehrung/einfuehrung.html


Bundesamt für Strahlenschutz:
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) arbeitet für den Schutz des Menschen und der Umwelt vor Schäden durch Strahlung. Das BfS informiert die Bevölkerung und berät die Bundesregierung in allen Fragen des Strahlenschutzes. Die über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewerten Strahlenrisiken, überwachen die Umweltradioaktivität, unterstützen aktiv im radiologischen Notfallschutz und nehmen hoheitliche Aufgaben wahr, darunter im medizinischen und beruflichen Strahlenschutz. Ultraviolette Strahlung und strahlenrelevante Aspekte der Digitalisierung und Energiewende sind weitere Arbeitsfelder. Als wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde betreibt das BfS Forschung und ist mit nationalen und internationalen Fachleuten vernetzt. Weitere Informationen unter www.bfs.de.

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