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Bürgerversammlung: Bürger stellten zahlreiche Fragen

Rund 70 Bürgerinnen und Bürger sind am Donnerstagabend zur dreistündigen Bürgerversammlung in die Limburger Stadthalle gekommen. Dort informierte die Stadtverwaltung über das neue Baugebiet in Blumenrod, wo auf 25 Hektar Fläche 670 Wohnungen entstehen sollen und über die Problematik Leerstand in der Innenstadt und mögliche Lösungen dafür. Nach den Vorträgen nutzten die Bürgerinnen und Bürger ihre Möglichkeit und stellten zahlreiche Fragen.
Über Video zugeschaltet war der Architekt und Stadtplaner Professor Joachim Schultz-Granberg. Er stellte den städtebaulichen Entwurf für das neue Wohngebiet in Blumenrod vor, mit dem er einen von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hat. Besonderer Bedeutung misst seine Planung, die eine Entwicklung in vier Phasen vorsieht, der funktionalen Gliederung der einzelnen Quartiere und auch der Freiraumgestaltung mit einer hohen Aufenthaltsqualität zu.
Auch die Gebäudearten hat Schultz-Granberg geplant, 42 Prozent sollen auf den Geschosswohnungsbau entfallen und der Rest auf Ein- und Zweifamilienhäuser oder Reihenhäuser, auch sogenannte Gehöfte und Patiohäuser soll es geben. Zukünftigen Eigentümern will die Stadt Gestaltungsrichtlinien an die Hand geben, damit ein harmonisches Wohngebiet entsteht indem dennoch Platz für Individualität ist.
Ein wichtiges Element bildet in der Planung durch Schultz-Granberg die Weiterführung des Stadtparks Blumenrod als zentraler Grünzug, an den sich ein dichtes Netz an Fuß- und Radwegen in die Wohnfelder anschließt. Der Stadtpark soll nach einem Weg von maximal 150 Metern aus jedem Haus erreichbar sein und ein vielfältiges Angebot an Sport und Spiel und zur Naherholung anbieten.
Im Bereich Mobilität sind neben Stellplätzen an den Wohnhäusern auch Quartiersparkhäuser geplant und Mobilitätsstationen, an denen Lastenräder angeboten werden können, aber auch Carsharing, Luftpumpen oder Ladesäulen.
Neue Wege sollen in der Regenbewirtschaftung gegangen werden, was angesichts der Klimaveränderungen auch notwendig sei, sagt Schultz-Granberg. Ziel ist es, die Belastung der Gewässer durch Regenabflüsse gering zu halten, also das Regenwasser möglichst lange vor Ort zu halten oder dort versickern oder verdunsten zu lassen. Geschehen soll dies durch sogenannte Muldenrinnen.
Zahlreiche Fragen der Bürgerinnen und Bürger schlossen sich an den Vortrag an. Dabei wurde die Anzahl an Wohnungen stellenweise als zu hoch eingeschätzt und nach dem tatsächlichen Bedarf gefragt. Sorgen gab es bezüglich des Baustellenverkehrs und der späteren Verkehrsführung. Auch Beeinträchtigungen des angrenzenden Vogelschutzgebietes wurden angesprochen. Ebenso kamen Fragen nach Lebensmittelmärkten, Wurst-Buden und einer Grundschule auf.
Bürgermeister Dr. Marius Hahn erklärte, dass die Stadt das Gebiet sehr behutsam entwickeln möchte. In Bezug auf den Verkehr sei aktuell ein Verkehrsgutachten beauftragt. Der Bedarf der Wohnungen ergebe sich laut Hahn aus einer Studie, die die Stadt Limburg gemeinsam mit dem Landkreis beauftragt hat. Demnach werden bis zum Jahr 2040 rund 1800 Wohnungen in der Stadt gebraucht, die nicht alleine in Blumenrod entstehen könnten.
Das angrenzende Vogelschutzgebiet soll durch Besucherlenkung geschützt werden, beispielsweise ist eine Erhöhung geplant, sodass es erschwert möglich ist, ins freie Feld zu laufen. Gezielte Rundwege sollen Bewohnern und Gästen ein Angebot für Sport und Freizeit bieten. Schultz-Granberg betonte dabei auch, dass die Planung nicht bis zur Bebaungsgrenze geht, sondern ein ganzes Stück davor endet. Auch lägen enge Abstimmung mit einer Landschaftsökologin hinter ihm und im Bauleitverfahren werden noch die obere und untere Naturschutzbehörde einbezogen.
Professor Schultz-Granberg machte deutlich, dass seine Entwürfe eine Rahmenplanung sind, die noch veränderbar ist. Wohngebäude könnten also beispielsweise durch eine Schule oder einen Supermarkt ersetzt werden. Annelie Bopp-Simon, Leiterin der Stabsstelle für Stadtentwicklung und Bauleitplanung, skizzierte den zeitlichen Rahmen. Sie geht davon aus, dass das Bebauungsplanverfahren noch in diesem Jahr eingeleitet werden kann. Der Satzungsbeschluss könnte dann im ersten Quartal 2022 gefasst werden. Danach kann die Erschließung des Gebietes beginnen. Abhängig sei dies jedoch auch von der Haushaltslage der Stadt Limburg.
Zum Thema Leerstand referierte Andreas Hasenstab von der städtischen Wirtschaftsförderung. Als Ursachen von Leerstand sieht er den wachsenden Onlinehandel, steigende Mieten, den Verlust der Bedeutung von Innenstädten, Sanierungsstau an den Immobilien, schlechte Erreichbarkeit.
Auch Lösungen für die Probleme skizzierte der Verwaltungsmitarbeiter. Die Stadt Limburg könne ein Leerstandskataster aufbauen und als Vermittler zwischen Eigentümer und Interessenten fungieren. Dazu hat er bereits einen Immobiliensteckbrief erarbeitet, der von den Eigentümern ausgefüllt und bei der Stadtverwaltung eingereicht werden kann. Künftig soll das Formular dafür auf der städtischen Website zu finden sein.
Um weitere Ideen für die Innenstadt, insbesondere die Grabenstraße zu finden, plant Hasenstab eine Bürgerbeteiligung. Bürgerinnen und Bürger können dabei ihren Ideen äußern, beispielsweise nach einem Unverpackt-Laden.
Um auf die Leerstände aufmerksam zu machen kann sich Hasenstab ein Kunstprojekt vorstellen, bei dem die Objekte beleuchtet werden und so zum Blickfang werden. Um die Innenstadt zu beleben könnten Aktionen wie Mitternachtseinkaufen angeboten werden, aber auch Feste und Events locken Interessierte an. Gute Ansätze gibt es dabei schon durch Weinfest und Altstadtfest. Gestaltung von Straßen und Plätzen erhöht laut Hasenstab die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, gut gelungen sei das bereits auf dem Europaplatz und in einem Teil der Grabenstraße. Auch kostenloses W-Lan sei ein guter Anreiz und die Stadt arbeite in diesem Bereich gerade an einer Umsetzung.
Um das Thema tiefer zu bearbeiten, regte Hasenstab dazu an, einen Citymanager einzustellen, der das Bindeglied zwischen Gewerbetreibenden, Eigentümern, Verwaltung und Politik darstellt.
Horst Hoppe vom Cityring stellte den Standpunkt der Gewerbetreibenden dar. Er stellte fest, dass es an Parkplätzen in der Innenstadt fehle und der Busverkehr noch nicht so ausgebaut sei, dass auf das Auto verzichtet werden kann.
Die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich mehr Sauberkeit und Sicherheit in der Innenstadt, denn das sei ein Aushängeschild für die Geschäfte. Bürgermeister Hahn erklärte, dass auch die Stadt dies als eines ihrer Handlungsfelder sehe und Maßnahmen ergreife. Sicherheit sei jedoch auch eine Aufgabe der Polizei und Hahn fordert von dort mehr Kräfte für Limburg.
Auch sprachen sie sich dafür aus, dass die Stadt die Vielfalt fördere und Monofunktionalität wie Friseure, Nagelstudios und Tattostudios begrenzt. © Stadt Limburg