Springe zum Inhalt

Biodiversitätsforstamt für Hessen

Umweltministerin Priska Hinz ernennt auf ihrer Sommertour das Forstamt Hofbieber zum „Modellbetrieb für Waldbiodiversität PLUS“

„Der fortschreitende Artenschwund bedroht unsere Lebensgrundlage und wir sind gefragt, uns noch mehr für die biologische Vielfalt zu engagieren. Um den Wald als wichtigen Lebensraum zu stärken, etablieren wir nun im Forstamt Hofbieber einen Modellbetrieb für die Biodiversität. Unser Wald ist wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere, er schützt unser Klima und sorgt für gesundes Wasser und guten Boden, er ist Erholungsraum für uns Menschen und ebenfalls ein Wirtschaftsraum, der die nachhaltige Ressource Holz produziert. Das Forstamt Hofbieber wird nun zusätzliche Maßnahmen für den Erhalt der biologischen Vielfalt umsetzen und diese in Einklang mit den anderen Funktionen des Waldes bringen. Die Erkenntnisse, die wir hier gewinnen, wollen wir auf den ganzen Staatswald übertragen“, erklärte Hinz, die heute im Rahmen ihrer Sommertour das Forstamt Hofbieber besuchte.

Der Staatswald des Forstamts Hofbieber eignet sich besonders für die Umsetzung und Erprobung von Maßnahmen zur Verbesserung von Lebensräumen im Wirtschaftswald. Das Forstamt reicht über viele verschiedene Höhenlagen von 220 Meter bis 920 Meter. In den dortigen Waldflächen sind drei von fünf hessischen Wuchszonen vertreten. Mit Basalt, Muschelkalk und Buntsandstein sind in Hessen weit verbreitete Gesteinsarten vorhanden. So findet man im Forstamt Hofbieber eine Vegetation und Tierwelt, die in vielen Wäldern Hessens typisch ist. „Das Forstamt Hofbieber kann als Vorbild für viele Forstämter herangezogen werden, da es repräsentativ ist für ganz Hessen. Außerdem wurde hier im Forstamt bereits viel Erfahrung bei Maßnahmen für die biologische Vielfalt gesammelt, auf die aufgebaut werden kann“, erklärte Ministerin Hinz.

„Hessens Staatswald wird naturnah bewirtschaftet und ist vorbildlich in Deutschland. Das beweist das Gütesiegel FSC, das dem gesamten Staatswald verliehen wurde. 10 Prozent des Staatswaldes sind Naturwaldflächen, in denen der Wald nicht mehr bewirtschaftet wird und die Natur sich frei entfalten kann. In allen Hessischen Forstämtern werden bereits zahlreiche Biotop- und Artenschutz umgesetzt. Ziel des Biodiversitätsforstamtes ist es, darüber hinaus Maßnahmen zu ergreifen“, erklärte die Ministerin. Die Richtlinie für die Bewirtschaftung des Staatswaldes gibt fünf gleichwertige Ziele vor: Biodiversität, Klimaschutz, Rohstofferzeugung, Erholung, Arbeit und eine ausgeglichene Finanzlage. Im Forstamt Hofbieber soll nun das Ziel der Biodiversität deutlicher gewichtet werden. Die Auswirkungen dieser zusätzlichen Maßnahmen auf den Naturschutz und die Holzwirtschaft sollen unter Einbeziehung von Fachexperten systematisch erhoben und bewertet werden. Die Projektlaufzeit ist auf zehn Jahre ausgelegt. Hierzu wird eine zusätzliche Stelle im Forstamt Hofbieber eingerichtet.


Bereits jetzt setzt sich das Forstamt Hofbieber besonders für den Schwarzstorch, den Feuersalamander und die Mopsfledermäuse ein. Der Modellbetrieb soll prüfen, durch welche Maßnahmen im Rahmen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung positive Effekte für die Vielfalt und Qualität von Habitaten erreicht werden. Zukünftig sollen unter anderem Maßnahmen entwickelt werden, die den Lebensraum von Arten verbessern, die beispielsweise auf Alt- und Totholz angewiesen sind. Dazu gehören der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer und höhlenbrütende Vogelarten, wie der Schwarzspecht. Dafür verbleiben teilweise umgestürzte Bäume im Wald, die ansonsten aufgearbeitet worden wären. Auch Krumme Bäume mit vielen Ästen, die nicht optimal für die Holzverarbeitung geformt sind, aber häufig für Tiere, wie z.B. Fledermäuse, wichtige Unterschlüpfe bieten, sollen vermehrt stehen gelassen werden. Salweiden, Birken oder Aspen werden normalerweise im Zuge von Durchforstungen frühzeitiger entnommen, sie haben jedoch eine hohe Bedeutung für die Biodiversität. So kommen zum Beispiel die Tagfalterarten Schillerfalter und der Eisvogel nur an Weiden und Aspen vor. Im Biodiversitätsforstamt wird man sie zukünftig häufiger sehen. Bereits im Vorfeld wurde hier im Forstamt bereits ein Marteloskop eingerichtet. Es handelt sich dabei um eine Waldfläche, auf der jeder Baum mit seinen Eigenschaften genau erfasst ist, mit Größe und Wuchsrichtung, ob es Risse und Höhlen gibt, welche Schäden und Faulstellen vorliegen, welchen ökonomischen Wert der Baum hat und auch welchen ökologischen Wert. Hier werden die Försterinnen und Förster zukünftig geschult, um die wichtigen Funktionen des Waldes noch besser in Einklang zu bringen.


© Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz