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Biber Herrmann & Peter Reimer im Kurhaus Bad Camberg – zwei … der passende Bericht für den ZWEIten Advent

Sie könnten sich unter's Publikum mischen, wenn man sie nicht kennt, und würden "nicht auffallen" - doch sobald sie eine Gitarre in die Hand bekommen .... *WOW*. 

Dann wird aus einer "scheinbar unscheinbaren Person" ein ganzes Orchester mit einem Hammersound. 

Es war ein Gipfeltreffen der besonderen Art, welches vor Kurzem im Kurhaus Bad Camberg stattgefunden hatte: Biber Herrmann aus Stromberg und Peter Reimer aus Bad Camberg. Beide begnadete Musiker. Wer sich auf einen Abend gefreut hatte, den beide durchgehend bespielen, der wurde in der Tat enttäuscht - einerseits, doch andererseits beschenkt. Beschenkt mit unglaublicher individueller Virtuosität an den Saiten, dem Gitarrenkörper und den Stimmbändern einer"saits" und lässiger hochkarätiger Entschleunigung. 

Beide Künstler nahmen das Publikum mit in ihre Kunst, in ihre Virtuosität der Instrumentenbeherrschung. 

Biber Herrmann

Biber Herrmann, in unserer Region ein definitiver Geheimtipp, angereist aus dem Rheingau, begeisterte das Publikum mit seiner herzlichen Art und natürlich unglaublichem Gitarrensound, doch - ähm, das war nicht nur einfach Gitarre, das war mehrfach: Mit dem Fuß(-pad) erzeugte er die Basedrum, der Schlag auf die Saiten war der Drummer, der Bassist stimmte mit ein, es folgte der Rhythmusgitarrist, der sich dann mit dem Sologitarristen abwechselte.

Ergänzt wurde das Multiensemble durch ein saitenfreies Instrument, die Mundharmonika - fertig war die kleine Band, die dann noch ihren Sänger dabei hatte - Wahnsinn! 

 

Biber, der den Blues für sich entdeckte - oder umgekehrt, schmunzelte, als er sich seiner früheren Jahre als Winzer erinnerte, denn wer einmal in den Steilhängen des Asmannshäuser Höllenberges Reben geschnitten hatte, der konnte den Spirit der Baumwollpflücker im Missisippidelta fühlen - und seiner Meinung nach hätte der Blues daher auch durchaus in Rüdesheim entstehen können... 

Sein Großvater spielte mehrere Instrumente und leitete im ersten Weltkrieg sogar ein Musikkorps, Biber's Mama brachte ihm dann im Alter von sieben Jahren das Klavierspiel bei, doch schon mit 10 wechselte er auf seine erste Sperrholzgitarre. In der Jugendfreizeit in Nidecken in der Eifel brachte er sich anhand des "ABC der Schlaggitarre" das Gitarrenspiel bei. Handschriftlich transkribierter Songs, um dann später zuhause vor dem Plattenspieler seine Fähigkeiten weiter auszubauen. Und es entstand die Leidenschaft: Er wollte "richtiger Musiker" werden. Natürlich wurde erst die Schule fertig gemacht und seine Winzerausbildung, doch mit 30 erinnerte er sich: "Junge, Du hattest mal einen Traum - dann ist es jetzt Zeit" und so begann er als Straßenmusiker.

Schon bald folgten erste Auftritte. Diese forderten auch seinen Mut, seinem musikalischen Weg treu zu bleiben, als er in einem Club spielte, wo das Publikum so gar nicht zu seiner Musik passen wollte...

Daher gab er dem Publikum den Rat, "seinen Träumen und Visionen treu zu bleiben - sie sind das Herzblut unseres Lebens - bleibt dran"!

Wieso eigentlich "Biber" und nicht Matthias  Herrmann ? Er war 11 Jahre als er beim Schulfest mit der Schulband spielte. Zu dieser Zeit gab es eine Indianergeschichte in der ein Biber eine tragende Rolle spielte - er hatte seinen Spitznamen weg. 2016 schloss sich dann der Lebenskreis, wie Biber grinsend berichtete, denn man suchte einen Folksänger in einer Holzfälleroper... was könne einem Biber besseres passieren, als diese Rolle zu übernehmen ?

 

Seine Songs am Abend: Things that count, Lady luck, Come on into my kitchen, Got my mojo working, Going up the country, Rainbow Walker, I just wanna make love to you. 

Man spürt die Leidenschaft im Spiel, das Herzblut bei seinen lyrischen Erzählungen dazwischen."Hallo, hier spricht Fritz rau, der die Rolling Stones nach Deutschland gebracht hat" - das hielt Biber anfänglich noch für einen Scherz, doch in der Tat - schon kurze Zeit später begleitete er ihn musikalisch auf seinen Buchlesungen. 

 

Peter und Biber - warum eigentlich ? Am Rande eines Musikfestivals fanden sich die zwei "Jungs", die zwischenzeitlich gut befreundet sind und musikalisch hervorragend harmonieren - so unterschiedlich ihre eigentlichen Musikstile auch sein können. 

Peter Reimer übernahm auf der "Roten Bank" die Bühne nach der Pause. Beim Stimmen hätte man eine Stecknadel fallen hören, so gespannt war das Publikum auf den folgenden Konzertteil. Warum das "unplugged" hieße, wisse er auch nicht, angesichts der vielen Effektgeräte, Looper und Verstärker. Doch auch Peter ist absolut eins mit seinem Instrument - man spürt den Flow, den Tunnel, in dem er unterwegs ist, wenn er sich dem Gitarrenspiel hingibt. 

"Es gibt Leute, die wissen, dass man Atmosphäre nicht downloaden kann", bedankte er sich auch beim Publikum, denn wie schon bei seinem Konzert im Sommer .... Und Peter berichtet von seinen Reisen, die ihn musikalisch inspiriert und geprägt haben. 

Peter Reimer im Kurpark Bad Camberg: Einfach anfangen mit Entschleunigen

... von der Toskana nach Schottland auf die abgelegenen Destillen im Hochland, den rauchigen Geschmack des Islay -Whiskeys im Mund, oder die sanfte Brise um die Nase in den Höfen der Toskana - das Publikum bekam das Gefühl, selbst dort zu sein, so wirkte sein Kopfkino. 

Peter Reimer arbeitet unter anderem auch mit einem "Looper" und so werden kurze Sequenzen eingespielt, die Stück für Stück ein Arrangement entstehen lassen - es ist eine ganz spezielle Technik mit einem ganz eigenen Reimer-Sound.

Doch der Looper zeichnet auch nur das auf, was Peter spielt, dementsprechend ist es keine "musikalische Kläranlage", grinst er. Peter Reimer ist im Moment in den Vorbereitungen zu seinem nächsten CD-Release, welches in 2019 stattfinden wird. 

Vom jagenden Echoton über das Loopen bis hin zum entschleunigenden Toscanasound - Peter überzeugte mit seinem eigenen Style für den ihn das Publikum nicht nur in Bad Camberg so liebt. 

Die Musikstile beherrschen beide gleichermaßen, sind sie doch beide dem Folk und Blues verhaftet, dennoch wurde bei diesem Doppelkonzert in der ersten Hälfte mehr gebluesd und später entspannt, bevor es dann ins dynamische Finale ging. 

Getreu dem Motto "wer übt ist feige", brauchten sich die zwei Vollblutmusiker in der Gaderobe nur kurz abstimmen als am Ende des Konzertes zusammen "gejamed" wurde - sehr zur Freude des Publikums, welches die ein oder andere Zugabe erklatschen konnte. 

Danke für ein tolles Konzert an zwei absolute Ausnahmemusiker an der Gitarre ... Peter Reimer (li) und Biber Herrmann (re)

Am Rande der Veranstaltung konnte der direkte persönliche Kontakt  zum Künstler genutzt werden,  CDs wurden angeboten und Autogramme gegeben. 

Mehr Informationen auch unter: 

http://www.peter-reimer.de/

http://www.biber-herrmann.de/

Mehr Bilder auch in der Galerie: https://www.oberlahn.de/Bildergalerie/?gal=9730

© Peter Ehrlich / FOTO-EHRLICH.de