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BfS-Experten üben im Sperrgebiet von Tschernobyl 

Schnelle Einsatzbereitschaft und präzise Messungen bilden in einem nuklearen Notfall die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. Um dies im Ernstfall sicherstellen zu können, trainieren Experteninnen und Experten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) unter möglichst realen Bedingungen. Vom 3. bis 7. September 2018 findet daher eine großangelegte Messübung des BfS in Tschernobyl statt. Dort liegen auch 32 Jahre nach dem Reaktorunglück in der 30-Kilometer-Zone um das dortige Kernkraftwerk immer noch erhöhte Strahlungswerte vor.

„Im Falle eines Unfalls, bei dem radioaktive Stoffe aus einem Kernkraftwerk austreten, werden in kürzester Zeit genaue Informationen über die Strahlenbelastung in den betroffenen Gebieten benötigt. Um die geeigneten Schutzmaßnahmen ergreifen zu können, muss die Kontamination der Umwelt rasch und zuverlässig prognostiziert, gemessen und die daraus resultierende Strahlenbelastung für die Menschen vor Ort festgestellt werden. Damit diese Abläufe funktionieren, üben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig den Ernstfall auch unter realistischen Bedingungen“, sagt die Präsidentin des BfS, Inge Paulini. 

Für die Übung, an der insgesamt 26 Beschäftigte des BfS teilnehmen, wurde ein Übungsszenario entwickelt, das einen Unfall in einem Kernkraftwerk simuliert. Vor Ort sind die einzelnen Messteams teilweise mit Schutzanzügen und Atemschutzmasken in jeweils einem von 13 Fahrzeugen oder zu Fuß mit rucksackgestützten Messsystemen im Einsatz. Mit diesen erfassen sie die Ortsdosisleistung, das heißt die Strahlung, der ein Mensch an einem Ort in einer bestimmten Zeit ausgesetzt ist, und die Bodenkontamination an unterschiedlichen Orten innerhalb der Sperrzone von Tschernobyl. Die so gewonnenen Messdaten werden dann per mobiler Datenübertragung nach Deutschland übermittelt, wo sie in einer Messzentrale des BfS weiterverarbeitet und ausgewertet werden.

In der Sperrzone von Tschernobyl treten lokal Kontaminationen aus dem Reaktorunglück mit Strahlungswerten auf, wie sie in Deutschland nicht anzutreffen sind. In Zusammenarbeit mit den ukrainischen Behörden werden sowohl die örtlichen als auch die in Deutschland geltenden gesetzlichen Vorgaben des beruflichen Strahlenschutzes eingehalten, so dass das gesundheitliche Risiko für die Übungsteilnehmenden auf ein Minimum reduziert ist.

Ziel der Übung ist, den Ablauf der mobilen Messungen, die Koordinierung der Messteams und die Übertragung und Auswertung der Daten unter realitätsnahen, technisch erschwerten Bedingungen zu trainieren. 2016 übten BfS-Expertinnen und Experten erstmals in der Sperrzone von Tschernobyl. Unterstützt wird das BfS vom Tschernobyl-Zentrum für nukleare Sicherheit, radioaktiven Abfall und Radioökologie. Ihre Erfahrungen bei der aktuellen Übung halten die Teilnehmenden in einem Video-Tagebuch fest, das auf der BfS-Internetseite veröffentlicht werden wird. 

Informationen zur BfS-Messübung 2016 in Tschernobyl finden Sie unter: http://www.bfs.de/DE/themen/ion/notfallschutz/ueben/boden/boden_node.html

 

Bundesamt für Strahlenschutz

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) arbeitet für den Schutz des Menschen und der Umwelt vor Schäden durch Strahlung. Das BfS informiert die Bevölkerung und berät die Bundesregierung in allen Fragen des Strahlenschutzes. Die über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewerten Strahlenrisiken, überwachen die Umweltradioaktivität, unterstützen aktiv im radiologischen Notfallschutz und nehmen hoheitliche Aufgaben wahr, darunter im medizinischen und beruflichen Strahlenschutz. Ultraviolette Strahlung und strahlenrelevante Aspekte der Digitalisierung und Energiewende sind weitere Arbeitsfelder. Als wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde betreibt das BfS Forschung und ist mit nationalen und internationalen Fachleuten vernetzt. Weitere Informationen unter www.bfs.de.

© Bundesamt für Strahlenschutz