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„Beschäftigte im Freien sind besonders gefährdet“

 Arbeitsschützer vom Regierungspräsidium Gießen geben Tipps zur Arbeit im Freien – Hautkrebs kann als Berufskrankheit anerkannt werden

Gießen. Die Sonne spendet nicht nur Licht und Wärme, sondern auch natürliche UV-Strahlung. Dadurch kann der Mensch etwa Vitamin D bilden, was wichtig für einen stabilen Knochenbau und Immunsystem ist. „Ein Zuviel an natürlicher UV-Strahlung kann aber auch verhängnisvolle Auswirkungen auf unsere Haut haben“, berichtet Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. „Besonders gefährdet sind dabei Personen, die im Freien arbeiten.“ Das bringt das Regierungspräsidium Gießen ins Spiel, denn die Mittelbehörde ist für den Arbeitsschutz im RP-Bezirk der fünf Landkreise zwischen Limburg und Schlitz, Münchhausen und Hungen zuständig. Passend zur aktuellen Hitze gibt es Tipps, wie man sich bei der Arbeit im Freien schützen kann.

 

„Die Zahlen sprechen für sich: Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 200.000 Menschen neu an Hautkrebs“, sagt RP Ullrich weiter. Bei jedem zehnten Fall handelt es sich um eine bösartige Form. Trifft die UV-Strahlung der Sonne über längere Zeit auf ungeschützte Hautstellen, können krankhafte Hautveränderungen entstehen. Diese wiederum können sich Jahre später erst zu Hautkrebs entwickeln.

Bei den folgenden Berufsgruppen ist unter anderem mit einer erhöhten UV-Belastung durch Sonneneinstrahlung zu rechnen: Land- und Forstwirtschaft, Baugewerbe und Handwerk, Straßenarbeiter oder auch Bademeister. „Um eine krankhafte Veränderung der Haut zu erkennen, ist es unabdingbar, sich regelmäßig einer hautärztlichen Untersuchung zu unterziehen“, lautet der Rat von RP-Mitarbeiter Holger Lehnhardt. Natürlich sei es auch wichtig, die eigene Haut zu beobachten, um verdächtige Veränderungen auszumachen. „Das Unterscheiden harmloser Hautanomalien von krankhaften Veränderungen kann in der Regel nur durch die Hautärztin oder den Hautarzt vorgenommen werden.“

Noch ein wichtiger Hinweis von dem RP-Experten Lehnhardt: „Seit 2015 können bestimmte Hautkrebsarten als Berufskrankheit anerkannt werden.“ Es handelt sich dabei um Plattenepithelkarzinome oder, als Vorstufe, multiple aktinische Keratosen der Haut. Diese zählen in Deutschland sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu den häufigsten Krebserkrankungen. Insbesondere in den vergangenen 50 Jahren konnte eine deutliche Zunahme dieser Erkrankungen verzeichnet werden.

Für den Schutz von Beschäftigten vor natürlicher UV-Strahlung gibt es zwar keine Grenzwerte, die herangezogen werden könnten. „Es gilt aber die Prämisse: Was vermeidbar ist, muss vermieden werden“, erläutert Lehnhardt. Arbeitgeber müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festlegen, welche Schutzmaßnahmen notwendig sind. „Die beste Maßnahme trifft der Arbeitgeber, wenn er dafür sorgt, dass die Haut der Beschäftigten möglichst wenig Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist.“

Ganz praktisch heißt das: Entweder den Arbeitsplatz in den Schatten verlegen oder – wenn dies nicht möglich ist – dafür sorgen, dass möglichst viel Haut mit Kleidung bedeckt wird. „Dafür sind moderne Mikrofasertextilien gut geeignet, denn sie leiten Körperschweiß nach außen ab, was eine kühlende Wirkung hat.“ Als Kopfschutz sollten Helme oder textile Kopfbedeckungen mit Nackentuch getragen werden, damit auch die Ohren bedeckt sind. Für unbedeckte Körperstellen soll eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwendet werden.

Auch der Faktor Tageszeit spielt eine Rolle. Im Sommer bietet es sich an, den Beginn der Arbeit vorzuverlegen, um Tätigkeiten in den heißen Nachmittagsstunden zu vermeiden. „Auch die Anzahl und Länge der Pausen sollten den Belastungen durch die Sonneneinstrahlung anpasst werden“, sagt Experte Lehnhardt. Nicht jedem Beschäftigten ist bekannt, welche Gefahren das Arbeiten im Freien mit sich bringen kann. Der Arbeitgeber sollte darüber und über die notwendigen Schutzmaßnahmen ausreichend informieren. „Das kann er beispielsweise im Rahmen der jährlichen Arbeitsschutz-Unterweisung tun.“ Darüber hinaus sollte er die Beschäftigten regelmäßig anhalten, zur Verfügung gestellten Sonnenschutz auch zu benutzen.

Für Fragen zum Schutz der Beschäftigten bei sommerlichen Arbeiten im Freien sowie zum Arbeits- und Gesundheitsschutz allgemein ist in Mittelhessen das Regierungspräsidium Gießen zuständig. Die Fachleute der Arbeitsschutz-Dezernate sind erreichbar unter der Rufnummer 0641 303-0 oder per E-Mail an arbeitsschutz-giessen@rpgi.hessen.de. © RP-Gießen