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Ausstellung zum Thema „Die Gemeinde Brechen im 1. Weltkrieg“ am Sonntag im Heimatmuseum Oberbrechen

Ausstellung zum Thema „Die Gemeinde Brechen im 1. Weltkrieg“ am Sonntag im Heimatmuseum Oberbrechen

Der von 1952 bis 1969 in Niederbrechen wirkende Pfarrer Karl Bernhardt (vorne mit Brille) nahm als junger Soldat an den Schlachten bei Verdun teil. Seine damaligen Kriegserlebnisse und -erfahrungen haben ihn tief geprägt. Viele Niederbrechener erinnern sich noch heute, wie er in seinen Predigten und Erzählungen sowie mit seinem Einsatz für eine deutsch-französische Aussöhnung die damals gewonnene pazifistische Haltung zum Ausdruck brachte (Foto: Gemeindearchiv Brechen)

Das Heimatmuseum Brechen in der „Alten Schule“ in Oberbrechen ist nach der Sommerpause am Sonntag, 30. September 2018, von 14 bis 17 Uhr wieder geöffnet. Während der Öffnungszeit ist erstmals die Informationsausstellung „Die Gemeinde Brechen im 1. Weltkrieg“ zu sehen. Der Eintritt ins Museum und in die Ausstellung ist frei; es wird aber um eine kleine Spende gebeten.

 

Die Mitglieder des Arbeitskreises Historisches Brechen haben in diesem Jahr schwerpunktmäßig Material über die Zeit des 1. Weltkrieges in Verbindung mit den drei Ortsteilen der Gemeinde Brechen zusammengetragen. Neben Auswertungen der lokalen Zeitungen sowie der Pfarr- und Schulchroniken aus der damaligen Zeit konnten mit Hilfe vieler Einwohner persönliche Feldpostbriefe/-karten, Fotos, Sterbebildchen und andere private Schriftstücke bis hin zu Tagebucheintragungen gesichtet und ausgewertet werden. Großen Raum nahmen Recherchen zu den Gefallenen und Vermissten ein, da sich herausstellte, dass die vorliegenden Gefallenenlisten teilweise unvollständig oder widersprüchlich waren.

Aus diesen aufwändigen Recherchen und Auswertungen konnte eine interessante und aufschlussreiche Informations-Ausstellung zusammengestellt werden; darüber hinaus sind zwei Themenhefte der „Schriftenreihe des Gemeindearchivs Brechen“ in Vorbereitung, die im November erscheinen sollen.

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zum einen persönliche Eindrücke und Stimmungsbilder der Chronisten oder Zeitzeugen zum Kriegseintritt, zum Kriegsgeschehen und zum Kriegsende, aber auch die persönlichen Erlebnisse der Kriegsteilnehmer an der Front und das Geschehen und die Ereignisse zwischen 1914 und 1918 in Niederbrechen, Oberbrechen und Werschau. Aufgezeigt werden die wirtschaftlichen Veränderungen und Entbehrungen in der Heimat wie z. B. die fehlenden Arbeitskräfte, steigende Preise, Abgabe von Lebensmitteln, der Umgang mit den sich steigenden Gefallenenmeldungen etc. Um möglichst nah an der Authentizität der damaligen Zeit zu sein, werden Chronikpassagen und Feldpost- und Tagebuchausschnitte eingesetzt. So wird deutlich, dass der anfängliche Optimismus in den Briefen der Kriegsteilnehmer im Verlaufe des Krieges angesichts der mörderischen Gefahren, der Strapazen und des Sterbens schnell schwindet.

Erschreckend lang sind die Listen der Kriegsteilnehmer und der Gefallenen und Vermissten. Der Blutzoll, den der 1. Weltkrieg unter den Brechener Soldaten forderte, war hoch: Aus Niederbrechen wurden rund 350 Männer eingezogen, von denen 77 nicht wieder nach Hause kamen. Die Oberbrechener Schulchronik verzeichnet 294 Namen von Soldaten; insgesamt gelten 71 als gefallen oder vermisst. Von den 67 Werschauer Soldaten sind 14 als gefallen oder vermisst registriert.

 

Anhand von einigen Kriegsteilnehmern, zu denen mehr Material überliefert worden ist, werden interessante Lebenswege während dieser leidvollen Zeit nachgezeichnet – Wege führten tief in den Balkan, nach Palästina oder nach Russland. Die Mehrzahl hat jedoch die Schrecken der Schlachten im Westen erlebt oder musste dort ihr Leben lassen.

 

Die Ausstellung, die über 25 Informationstafeln umfasst, ist auch am 11.11.2018 in Werschau (Pfarrsaal), am 17./18.11.2018 im Rahmen der Hobbyausstellung in Oberbrechen (Emstalhalle) sowie am 25.11.2018 in Niederbrechen (Pfarrer-Herlth-Haus zusammen mit der Buchausstellung der Bücherei Niederbrechen) zu sehen.

(C) Gregor Beinrucker