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Ausbildung nicht aussetzen – „Generation Corona“ verhindern

Leiter der Regionaldirektion appelliert an Ausbildungsbetriebe

In Hessen stehen derzeit tausende junge Menschen kurz vor ihrem Schulabschluss und müssen sich beruflich orientieren. Sie stehen vor der Wahl duale Ausbildung oder Studium. Dabei werden sie normalerweise durch die Berufsberater der Agenturen für Arbeit direkt an ihren Schulen unterstützt.

Allein im letzten Monat waren über 30.000 junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen, bei den hessischen Arbeitsagenturen registriert. Gleichzeitig wurden den Agenturen für Arbeit bis Ende März bereits rund 30.250 gemeldete Berufsausbildungsstellen durch die Ausbildungsbetriebe gemeldet.

Derzeit häufen sich die Befürchtungen, dass junge Menschen während der Corona-Krise ihren Ausbildungsplatz womöglich verlieren könnten oder Betriebe ihre Aktivitäten für das kommende Ausbildungsjahr zurückfahren.

Für Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, wären beide Szenarien fatal:

„Ich kann nur dringend davon abraten, jetzt junge Menschen in der Ausbildung zu entlassen oder bereits gemeldete Ausbildungsplätze bei den Agenturen zu stornieren. Allein im letzten Monat waren über 30.000 junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen, bei den Agenturen in Hessen gemeldet. Die Betriebe haben immer sehr deutlich und zu Recht auf die Folgen fehlender Azubis durch die demografische Entwicklung und den Imageverlust der dualen Ausbildung hingewiesen. Es wäre aus meiner Sicht eine fatale Entscheidung, jungen Menschen die beruflichen Perspektiven zu entziehen. Zusätzlich gefährden Betriebe ohne Nachwuchs ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit. Man sollte auch an die Zeit nach der Krise denken.“

Dabei vergleicht er die Situation mit der Wirtschaftskrise 2008/09: „Wir haben in der letzten Wirtschaftskrise in mehreren südeuropäischen Ländern erleben müssen, dass eine ganze Generation abgehängt wurde und auf der Straße stand. Wir wollen in Hessen keine „Generation Corona“, die ohne eine fundierte Berufsausbildung ins Berufsleben startet. Unternehmen, die weiterhin in Ausbildung investieren, helfen zudem nicht nur jungen Menschen beim Eintritt in den Beruf, sondern sichern sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil beim unveränderten Wettbewerb um Fachkräfte.“

Kurzarbeitergeld auch für Azubis
Nach der aktuellen gesetzlichen Regelung können auch Azubis nach sechs Wochen Kurzarbeitergeld erhalten. In der Regel liegt bei den meisten Ausbildungsberufen das Netto-Azubigehalt im ersten Jahr unter 1.000 Euro. Da die Bundesagentur für Arbeit neben dem Kurzarbeitergeld auch die kompletten Sozialleistungen übernimmt, sieht Martin darin eine Chance, die Betriebe nutzen sollten, um ihren dringend benötigten Nachwuchs nicht zu verlieren. © Agentur für Arbeit