Springe zum Inhalt

Arbeitsschutzexperten des Regierungspräsidiums Gießen informieren über besondere Regeln zum Schutz angehender Auszubildender

Sicher und geschützt den Berufseinstieg meistern

Gießen. Nur noch wenige Wochen, dann beginnt die Ausbildungszeit. Für viele Jugendliche ein Grund zur Freude, denn nicht nur die manchmal unbequeme Schulzeit findet damit ein Ende. Auch als neue Azubis wagen viele den nächsten Schritt hin zum Erwachsensein. Beim Start ins Berufsleben spielt das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) eine wichtige Rolle. Das Regierungspräsidium Gießen (RP) achtet als Aufsichtsbehörde darauf, dass das Gesetz zum Schutz der Jugendlichen eingehalten wird und gibt pünktlich zum Ausbildungsbeginn Tipps für die angehenden Azubis.

„Junge Menschen sind aus verschiedenen Gründen am Arbeitsplatz besonders gefährdet, denn ihnen fehlen noch Erfahrung und Reife“, sagt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Für den Arbeitgeber bestünden daher besondere Pflichten, die in der Organisation des Arbeitsschutzes im Betrieb berücksichtigt werden müssten. So gilt das JArbSchG für minderjährige Jugendliche während einer Berufsausbildung genauso wie in einem ähnlichen Arbeitsverhältnis wie etwa ein Praktikum, ein Volontariat oder als Anlernling. Darüber hinaus wird das Gesetz auch angewendet, wenn sie bereits als Arbeitnehmer oder Heimarbeiter mit ähnlichen Dienstleistungen betraut sind wie Azubis. „Eine Ausbildung im öffentlich Dienst – mit Ausnahme von Beamtenverhältnissen – deckt das Gesetz ebenso ab“, erläutert Christoph Ullrich. 

Vor allem bei der Arbeitszeit gelten klare Regeln. Täglich dürfen die Jugendlichen maximal acht Stunden ohne Ruhepausen arbeiten, wöchentlich also nicht mehr als 40 Stunden. „Diese Grenzen dürfen nur in den bestimmten Fällen überschritten werden“, sagt Arbeitsschutzexperte Günter Foth vom RP. So könnten zum Beispiel Jugendliche, die an einzelnen Werktagen weniger als acht Stunden arbeiten, an den übrigen Werktagen derselben Woche achteinhalb Stunden beschäftigt werden. „Das ist wichtig für die Anpassung an die Arbeitszeit der Erwachsenen, besonders bei Gleitzeit. Die maximale Arbeitszeit von achteinhalb Stunden darf jedoch nicht überschritten werden.“ Spätestens nach viereinhalb Stunden Arbeit müsse auch eine Ruhepause eingelegt werden: Bei bis zu sechs Stunden Arbeit eine halbe Stunde, bei mehr als sechs Stunden Arbeit sogar eine Stunde Pause. Unterbrochen werden müssen die Arbeitstage dann von mindestens zwölf Stunden Arbeitsruhe.   

Für den Unterricht an Berufsschulen sind die Jugendlichen hingegen gänzlich freizustellen und dürfen auch nicht zur vorherigen Arbeit herangezogen werden. „In diesem Punkt gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz auch für Azubis über 18 Jahre“, sagt der RP-Experte. Besser hätten es die Minderjährigen aber bei der Frage nach dem Ausgleich zwischen Berufsschul- und Arbeitsstunden: Bei ihnen werden die Stunden in der Berufsschule auf die Arbeitszeit angerechnet. Mehr als fünf Stunden Schule entsprechen demnach acht Stunden Arbeit. Eine ganze Woche Berufsschule mit 25 Stunden, zum Beispiel bei Blockunterricht, entsprechen sogar einer ganzen Woche von 40 Arbeitsstunden. Die volljährigen Kollegen hingegen haben auch nach mehr als fünf Stunden Berufsschule noch im Betrieb zu erscheinen und ihre restliche Arbeitszeit zu leisten. 

Doch auch weitere Arbeitszeiten sind vom Jugendarbeitsschutzgesetz abgedeckt. Generell gilt für Jugendliche dabei die Fünf-Tage-Woche. „Für gewöhnlich bedeutet das ein grundsätzlich freies Wochenende für die Azubis. In manchen Branchen wie zum Beispiel in Kranken- und Pflegeberufen, Bäckereien und Konditoreien oder im Gaststätten- und Kfz-Gewerbe darf aber auch samstags und sonntags gearbeitet werden“, gibt Günter Foth zu bedenken. Dies ändere aber nichts am Grundsatz der Fünf-Tage-Woche. „Wenn ein Jugendlicher am Wochenende arbeiten soll, muss er also an einem anderen Tag der Woche frei bekommen.“

Neben der Arbeitszeit regelt das JArbSchG auch den Umgang mit Gefahrgut oder gefährlicher Arbeit. „Jugendliche dürfen nicht beschäftigt werden mit Arbeiten, die ihre psychischen und physischen Kräfte überfordern“, sagt Sarah Haustein, ebenfalls im RP für den Arbeitsschutz zuständig. Ihr Kollege Sascha Dietz stimmt ihr zu: „Darüber hinaus dürfen die Azubis nicht mit besonders unfallgefährdeten Arbeiten betraut werden, bei widrigen Wetterbedingungen arbeiten oder sich mit schädlichen physikalischen, chemischen oder biologischen Stoffen beschäftigen.“ Zwar seien diese Verbote grundsätzlicher Natur, von den Jugendlichen dürften solche Arbeite aber dann ausgeführt werden, wenn sie für die Ausbildung dringend notwendig seien und unter Anleitung und Aufsicht fachkundiger Kollegen stattfänden.

Zu beachten ist aber, dass der Arbeitgeber die Azubis über Unfall- und Gesundheitsgefahren aufklären und ihnen vorbeugende Einrichtungen und Maßnahmen gegen diese Gefahren zeigen muss, bevor sie die Arbeit beginnen. „Maschinen müssen vom Chef vorgeführt werden und die Jugendlichen müssen über Schutzvorrichtungen belehrt werden“, berichtet RP-Mitarbeiterin Sarah Haustein. „Das gilt besonders im Umgang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen.“ An dieser Sicherheitsunterweisung seien außerdem der Betriebsarzt sowie die zuständige Fachkraft für Arbeitssicherheit zu beteiligen. „Außerdem ist eine mindestens halbjährliche Wiederholung der Unterweisung Pflicht.“

Neben der Regelung der Arbeitszeit und den Beschäftigungsverboten hat der Gesetzgeber der gesundheitlichen Betreuung der Jugendlichen die größte Bedeutung im Jugendarbeitsschutz eingeräumt. Vor gesundheitlichen Schäden können die Jugendlichen durch ärztliche Untersuchungen bewahrt werden. „Eine Erstuntersuchung muss innerhalb der letzten 14 Monate vor Eintritt in das Berufsleben stattgefunden haben. Dem Arbeitgeber muss eine vom untersuchenden Arzt ausgestellte Bescheinigung vorgelegt werden, andernfalls darf der Jugendliche nicht beschäftigt werden“, sagt Sascha Dietz.

Eine ärztliche Erstuntersuchung müsse innerhalb der 14 Monate vor dem Eintritt ins Berufsleben stattfinden, die erste Nachuntersuchung dann im ersten Jahr nach Beginn der Arbeit. In beiden Fällen sei dem Arbeitgeber eine entsprechende Bescheinigung vorzulegen. „Sollte der Azubi der Aufforderung nicht nachkommen, fordere der Arbeitgeber ihn nochmals schriftlich auf. Darin muss dann darauf hingewiesen werden, dass er den Azubi nicht weiter beschäftigen darf, wenn die Bescheinigung nicht spätestens 14 Monate nach Beginn der Ausbildung vorliegt.“

Weitere Informationen zum Jugendarbeitsschutz sind auf der Internetseite www.rp-giessen.de/ oder im Arbeitsschutzportal des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration zu finden. Bei Fragen rund um die Themen Arbeitsschutz während der Ausbildung bieten Sarah Haustein, Sascha Dietz und Günter Foth als RP-Arbeitsschutzexperten gerne ihre Hilfe an. Sie sind zu erreichen unter 0641 303-0 und 0641 303-8600 oder auf der Internetseite www.rp-giessen.de. © RP-Gießen