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30 Jahre Nachsorge Villmar: Regionale Suchthilfe im Wandel der Zeit

von rechts nach links: Mathias Rubröder, Bürgermeister von Villmar, Janin Schuett und Panja Schweder, hauptamtliche Vorstände des Verein für Integration und Suchthilfe – VIS e.V., Ulrich Büchler, Leiter der besonderen Wohnform Nachsorge


Was ursprünglich mit der Idee begann, suchtkranke Menschen darin zu unterstützen, nach einer Entwöhnungsbehandlung im Leben Tritt zu fassen und alltägliche Anforderungen zu bewältigen, das ist zwischenzeitlich dauerhaft zur Realität geworden: In diesem Jahr feiert die Nachsorge Villmar ihr 30- jähriges Bestehen.
Ein Festakt, verbunden mit einem Tag der offenen Tür, der für dieses Jubiläum geplant war, musste Corona bedingt entfallen. Der Trägerverein der Nachsorge, der Verein für Integration und Suchthilfe (VIS e.V.), entschied sich daher, das Jubiläum zumindest in einem kleinen Kreis zu begehen. Dem Anlass entsprechend erschien zu einem Austausch in der Nachsorge am 17.11.2020 neben den beiden Vorständen des Vereins, Panja Schweder und Janin Schuett, auch der Villmarer Bürgermeister, Matthias Rubröder.
Der Leiter der Nachsorge, Ulrich Büchler, erinnerte in diesem Zusammenhang kurz an die Geschichte der Einrichtung und skizzierte ihr Hilfeangebot im Wandel der Zeit: Ein Angebot, das sich im Kern sachlich kaum verändert habe, während die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen tiefen Veränderungen unterworfen waren. So bestehe das Hilfeangebot der Einrichtung seit ihrer Gründung wesentlich darin, suchtkranken Menschen im Anschluss an ihre Therapie einen geschützten Rahmen zu gewähren, um sich sozial und beruflich integrieren zu können.
Der Zusammenhang von sozialer und beruflicher Eingliederung erweise sich auch in dem früheren Projektnamen „Arbeit und Wohnen“, unter dem die Nachsorge und das Arbeitsprojekt des Vereins, Job & Work, zwischenzeitlich vereint waren; bevor das Projekt im Jahr 2002, unweit der Nachsorge, sein neues Domizil in Villmar bezog.
Bis heute diene das Arbeitsprojekt den Bewohnerinnen und Bewohnern der Nachsorge als vorrangige Möglichkeit, erste Erfahrungen im Berufsleben zu sammeln und sich von dort beruflich weiterzuentwickeln.
Frau Schweder und Frau Schuett gaben bekannt, dass seit ihrer Gründung 1990 mehr als 600 Frauen und Männer das Hilfeangebot der Nachsorge wahrgenommen haben. Die Einrichtung, deren Angebot hessenweit nur mit fünf weiteren vergleichbar sei, nehme Bewerberinnen und Bewerber aus dem gesamten Bundesgebiet auf. Maßgeblich für alle Hilfeleistungen sei der Hilfebedarf jedes Einzelnen – unter Voraussetzung der eigenen Abstinenz von Drogen und Alkohol. Mit 15 Plätzen, 10 für Männer und 5 für Frauen, wende sich die Nachsorge an Menschen, deren Ressourcen
und Kompetenzen nach ihrer Therapie noch nicht ausreichen, sich ohne weitere Unterstützung im abstinenten Leben zu festigen und zu erproben.
Im Grundsatz ziele jede Hilfeleistung für die Betroffenen darauf ab, sie in der Vorbereitung auf ein zunehmend selbständiges Leben zu unterstützen.
Frau Schweder und Frau Schuett machten deutlich, dass die Nachsorge Villmar in den vergangenen 30 Jahren ihre Leistungen nur hat erbringen können, weil sie verlässliche Partner an ihrer Seite hatte. Dazu zählten neben vereinsinternen auch externe Partner: abgesehen von fachlich beteiligten Institutionen im Umfeld, dem Landeswohlfahrtsverband Hessen als überörtlichem und dem Jobcenter als örtlichem Kostenträger der Nachsorge, insbesondere die Gemeinde Villmar.
Der Vorstand des VIS e.V. bedankte sich in diesem Zusammenhang bei Herrn Bürgermeister Rubröder sowie an dieser Stelle bei allen Bürgerinnen und Bürger Villmars für die langjährige gute Nachbarschaft, das Wohlwollen und faire Miteinander. Alle, die am gemeinsamen Ortstermin anwesend waren, haben anlässlich des Jubiläums ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die Arbeit der Nachsorge auch in Zukunft erfolgreich fortgesetzt werden möge – letztlich nicht nur im Dienste der Betroffenen im Sinne ihrer gleichen Teilhabe, sondern damit auch zum Nutzen und Wohl unseres gesellschaftlichen Lebens.
An das Jubiläum der Nachsorge in diesem Jahr schließt sich im nächsten Jahr das 35-jährige Bestehen des Arbeitsprojektes Job & Work an, das in unmittelbarer Nähe zur Nachsorge, ebenfalls in der König-Konrad-Straße in Villmar untergebracht ist. Zur Feier dieser beiden Jubiläen plant der Verein für Integration und Suchthilfe besondere Aktionen und Veranstaltungen, um auch in Corona-Zeiten Villmar und seinen Bürgern und allen anderen Unterstützern, Förderern und Kostenträgern und nicht zuletzt den Mitarbeitern vor Ort zu danken. © Verein für Suchthilfe und Integration e.V.