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13. August 1961: „Aktion Rose“ – Bau der Berliner Mauer

Der 06. Februar 2018 war der Tag, an dem die Berliner Mauer einen Tag länger gefallen war, als sie zwischen dem 13. August 1961 und dem 09. November 1989 gestanden und Ost- und Westberlin getrennt hatte. Im Jahr 2020 feiern wir das dreißigjährige Jubiläum der Deutschen Einheit vom 03. Oktober 1990 – doch auch wenn Deutschland mittlerweile wiedervereinigt und Berlin eine der pulsierenden Metropolen Europas ist, sollte uns jener verhängnisvolle Tag im August nicht aus dem Gedächtnis gleiten.

„Sonntag, der 13. August 1961, wird für immer ein Tag bleiben, der eine tiefe Wunde in die Berliner Gesellschaft und unsere gesamtdeutsche Bevölkerung und viele Familien und Freundeskreise gerissen hat. Mehr als 28 Jahre war eine die Berliner Mauer das Symbol für die Teilung eines Landes, das eigentlich Immer zusammen gehörte. Nach Angaben des Zentrums für zeithistorische Forschung sind mindestens 140 Menschen bei dem Versuch, aus dem Unrechtsstaat DDR in die Bundesrepublik zu fliehen, dem Schießbefehl zum Opfer gefallen“ erklärt der hessische Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch, der sich seit Jahren intensiv für die Aufklärung von DDR-Unrecht einsetzt.

In den Jahren und Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg musste Berlin viele Herausforderungen überstehen: Nach der elfmonatigen Blockade 1948 und 1949 und zahllosen Spannungen an den Sektorengrenzen folgte im August 1961 der steinerne Beleg dafür, dass die Deutsche Demokratische Republik lediglich auf dem Papier eine demokratische Republik war – in der Realität handelte es sich um eine Diktatur von Freiheitsfeinden und Unterdrückern. Wer dies nicht glaubte und im Willen nach Freiheits- und Persönlichkeitsrechten in die Bundesrepublik flüchten wollte, fand spätestens an der Mauer den Beweis aus Stacheldraht, Stein und Blei. Dabei war es keineswegs der Fall, dass die Maßnahmen zur Grenzsicherung die Ideen der sowjetischen Besatzer waren, vielmehr war es die Idee des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, Walter Ulbricht. Der oberste SED-Funktionär wandte sich mit seinem Vorschlag an Nikita Chruschtschow, den damaligen Regierungschef der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, um der massenhaft aus der DDR weglaufenden Menschen Herr zu werden.

Honecker plant „Aktion Rose“

Es war also die DDR-Regierung selbst, die trotz anders lautender Behauptungen („Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, Zitat Walter Ulbricht vom 15. Juni 1961) ihre eigene Bevölkerung einsperren wollte. Nachdem Chruschtschow Ulbrichts Plan zugestimmt hatte, wurde der spätere Staatsratsvorsitzende und Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei, Erich Honecker, damit beauftragt, Ulbrichts Plan von der Einmauerung Ostberlins in die Tat umzusetzen. Der spätere Regierungschef der DDR plante in den Wochen vor dem 13. August also die „Aktion Rose“, wie die Grenzschließung und Abschottung intern bezeichnet wurde.

Noch im Juli rief US-Präsident Kennedy deutlich in Richtung Russlands, die Menschen in Berlin sollten eine freie Wahl der Lebensform und des Gesellschaftssystems haben – eine Botschaft, die in Moskau nur auf wenig Gegenliebe stoßen konnte. Bereits in den Wochen vor dem 13. August änderte sich die Stimmung in der heutigen Bundeshauptstadt offenkundig: Seit Ende Juli wurden die Grenzkontrollen an den Sektorengrenzen verschärft, Grenzposten bedeutend aufgestockt und der Grenzübertritt oftmals willkürlich erschwert oder verwehrt. Baumaterial wurde gehortet und ab dem 08. August wurden die Streitkräfte an der Westgrenze der UdSSR, der Grenze zwischen DDR und dem freien Teil Deutschlands, in Kampfbereitschaft versetzt, auch Reservisten wurden eingezogen. All dies zeigt: Die Sowjetunion und auch die Regierung der DDR waren sich darüber im Klaren, welch einschneidende Wirkung die Einmauerung von Millionen Menschen haben würde und dass es durchaus möglich war, dass der Westen diesen Schritt als entscheidenden Schritt zu viel ansehen und deswegen der Krieg zwischen dem Warschauer Pakt und dem Bündnis der Freiheit, der NATO, losbrechen könnte.

Am 11. August fasste die Volkskammer der DDR den Entschluss, zur Sicherung der Grenze ein „neues Grenzregime“ zu installieren; die explizite Rede von einer Mauer war dabei im Parlament jedoch nicht.

Um 01:00 Uhr morgens begann am Sonntag, den 13. August 1961, der Bau der Berliner Mauer. Mit zunächst mehr als 135km Stacheldraht wurde die Grenze zwischen Ost- und Westberlin befestigt. Honecker selbst inspizierte noch im frühen Morgen jeden einzelnen Grenzübergang und sprach den Soldaten, die die Grenze sichern sollten, Mut zu. Im Morgengrauen des 13. August war die Grenze vielerorts bereits abgeriegelt, sodass die Berliner Bürger am 12. August bei offenen Grenzen einschliefen und am 13. August eingesperrt aufwachten. Dieser Zustand sollte mehr als 28 Jahre, bis zum 09. November 1989, anhalten. Die Berliner Mauer wurde im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut, der sogenannte Todesstreifen forderte mehr als 140 Opfer und war der offensichtlichste von gleichwohl vielen Belegen für das diktatorische Regime und menschenverachtende Praktiken.

„Genau so wenig, wie wir unsere deutschen Mitbürger in Zeiten der Teilung vergessen haben, dürfen wir die Teilung selbst nicht vergessen. Anhand dieser historischen Daten müssen wir uns immer wieder deutlich vor Augen führen, dass unsere Einheit nicht selbstverständlich ist. Wir dürfen niemals vergessen, dass Freiheit und Demokratie stärker sind als Mauer, Schießbefehl und Stacheldraht und müssen immer wieder die Errungenschaft unserer Wiedervereinigung als Motivation für die Bewältigung kommender Herausforderungen sehen“, so der CDU-Bundestagsabgeordnete, „gerade eine Generation lang hat dieser Versuch angedauert, gewaltsam zu trennen, was zusammengehört“ so Willsch abschließend, der selbst Jahrgang 1961 ist, sein ältester Sohn Jahrgang 1989, abschließend. 

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung, über eine Veröffentlichung in der Tagespresse freuen wir uns.

© Klaus-Peter Willsch