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8039 Landschildkröten zeigen sich von ihren zwei besten Seiten

RP-Reihe – Zahl des Monats: Streng geschützte Art muss immer wieder ins Fotostudio – Regelmäßige Fotodokumentation ermöglicht Identifizierung durch unveränderbare Merkmale

Gießen/Wetzlar. Wer einen Pass haben möchte, braucht ein Foto. Was viele nicht wissen: Das gilt auch für viele Landschildkröten. Die müssen regelmäßig zum Fototermin erscheinen.

Die Aufnahmen des Bauch- und Rückenpanzers werden von der Artenschutzbehörde des Regierungspräsidiums Gießen in die Papiere eingeklebt, sozusagen der Pass des Tieres. Die Alterung der Schildkröte wird in vorgeschriebenen Mindestintervallen fotografisch festgehalten und auf der Bescheinigung eingetragen. Das Prozedere hat einen guten Grund: den Artenschutz. Derzeit sind 8039 Landschildkröten bei dem RP Gießen gemeldet, die mit der Kamera dokumentationspflichtig sind.

„Viele Landschildkrötenarten sind streng geschützt“, erklärt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Ihre wilden Verwandten finden in den Herkunftsländern rund um das Mittelmeer kaum noch geeignete Lebensräume, weshalb sie vom Aussterben bedroht sind. Tiere, die als Nachzuchten aus einer Tierhaltung in der Europäischen Union stammen, müssen von ihren Züchtern gekennzeichnet werden. So schreibt es die EU-Artenschutzverordnung vor.

Vögel bekommen einen geschlossenen Ring, Säugetiere in der Regel einen Chip oder Transponder. „Bei Reptilien ist das schwieriger“, berichtet Corinna Vahrenkamp vom RP-Dezernat, das für Artenschutz verantwortlich ist. Sie dürfen aus Tierschutzgründen erst ab einem Gewicht von 200 Gramm mit einem Minitransponder gekennzeichnet werden, und das nur unter Narkose. „Daher wurde nach einer schonenden Alternative für die nur wenige Gramm leichten Schildkrötenschlüpflinge gesucht.“

In einer wissenschaftlichen Untersuchung wurde festgestellt, dass bestimmte Merkmale der Panzerung sich bei den streng geschützten Landschildkröten kaum verändern. In der Bundesartenschutzverordnung wurde für sie die Fotodokumentation als Kennzeichnung in Deutschland zugelassen. Die ersten Fotos werden von der Artenschutzbehörde mit Sitz in der früheren Spilburg-Kaserne in Wetzlar an die Papiere angesiegelt, die dann nur zusammen mit den Fotos gültig sind. Diese Papiere werden landläufig häufig Cites genannt, amtlich lautet die Bezeichnung EU-Vermarktungsbescheinigung.

„Für alle weiteren Fotos sind dann die Halter verantwortlich“, sagt Corinna Vahrenkamp. Die Bilder werden zu angegebenen Terminen angefertigt und eingeklebt. Bei einer Artenschutzkontrolle kann dadurch bewiesen werden, dass das ausgestellte Dokument tatsächlich zu der jeweiligen Schildkröte gehört.

Ist die Fotodokumentation hingegen lückenhaft, und kann nicht anhand anderer Merkmale festgestellt werden, dass es sich um dasselbe Tier handelt, verliert die Bescheinigung ihre Gültigkeit. „Ist das der Fall, erlischt die Besitzberechtigung.“ Das Tier kann dann möglicherweise von der Artenschutzbehörde entschädigungslos eingezogen werden. Wenn die Elterntiere noch leben, kann die Abstammung zwar unter Umständen noch durch einen Gentest geklärt werden. Dieser muss jedoch von den Haltern bezahlt werden. Daher lautet der Appell aus dem RP-Dezernat für Artenschutz: „Wer immer auf die Foto-Termine in den Papieren achtet, geht sicher, dass es später keine Komplikationen gibt.“

Wer sich über das Thema Landschildkröten oder Artenschutz weiter informieren möchte, kann sich an RP-Mitarbeiterin Corinna Vahrenkamp (Tel. 0641 5555, E-Mail: corinna.vahrenkamp@rpgi.hessen.de) wenden.

Stichwort: Zahl des Monats

Eine Zahl besteht aus einer Ziffer oder mehreren, und sie sagt erst einmal nichts aus. Dahinter verstecken sich aber oft spannende Themen mit einem „Ach, das wusste ich noch gar nicht“-Effekt. In der Reihe „Zahl des Monats“ stellt das Regierungspräsidium Gießen interessante Zahlen aus dem Verwaltungsalltag vor und beleuchtet dabei Wissenswertes. Bürgerinnen und Bürger erhalten dadurch einen noch tieferen Einblick in die Aufgaben einer Mittelbehörde, die viel spannender ist, als vielleicht gedacht. © RP-Gießen